Umkämpfte Bilder

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Der journalistische Diskurs über den Afghanistankrieg in den USA

ISBN: 3593505525
ISBN 13: 9783593505527
Autor: Bach, Annika
Verlag: Campus Verlag in der Beltz Verlagsgruppe
Umfang: 347 S.
Erscheinungsdatum: 15.02.2016
Auflage: 1/2016
Format: 2.5 x 21.5 x 14.3
Gewicht: 437 g
Produktform: Kartoniert
Einband: Paperback

Der Krieg in Afghanistan ist in den USA meist nur medial vermittelt erfahrbar. Der journalistische Diskurs trägt dabei dazu bei, ein Bild dieses Krieges zu erzeugen, welches den Krieg als ein unblutiges und kontrolliertes Unternehmen vorstellt. Verunsichert wird dieses journalistische Bild allerdings durch Bilder exzessiver Gewalt, die in sozialen Netzwerken oder in fiktiven Medienformaten zu sehen sind. Annika Bach untersucht mittels einer Foucaultschen Diskursanalyse die Regeln, welche den journalistischen Diskurs der USA über den Afghanistankrieg strukturieren und zeigt auf, wie besonders die Bilder dieses Krieges selbst ein umkämpftes Krisengebiet sind.

Artikelnummer: 8869290 Kategorie:

Beschreibung

Einleitung: Umkämpfte Bilder - Journalismus und Krieg Für die Stadt New York beginnt das 21. Jahrhundert mit terroristischen Anschlägen. Für den Rest der Welt beginnt das 21. Jahrhundert mit den Bildern dieser Anschläge. Als Reaktion auf die Anschläge vom 9. September 2001 und auf die Bilder, die sie auf den Bildschirmen erzeugt haben, entscheidet sich die amerikanische Regierung unter George W. Bush für einen militärischen Einsatz. In einem so genannten "Krieg gegen den Terror" wird das terroristische Netzwerk Al-Qaida auf dem Territorium Afghanistans von einer amerikanisch geführten Allianz angegriffen. Zwei Jahre später bombardiert eine Allianz aus USA und Großbritannien den Irak. Dies führt zu einem auch im Jahr 2016 noch andauernden Krieg der USA in Südasien und zu einem achtjährigen Einsatz in dem Golfstaat. Im Jahr 2008 während seines ersten Wahlkampfes bezeichnet der demokratische Kandidat Barack Obama den in seinen Augen legitimen und mit einem völkerrechtlichen Mandat ausgestatteten Kriegseinsatz der US-Streitkräfte in Afghanistan wiederholt als einen guten und sinnvollen Krieg. Gut sei dieser Krieg, das macht er in seiner Kampagne verschiedentlich klar, vor allem im Vergleich zum Krieg im Irak, der unter dem Vortäuschen falscher Tatsachen und mit Hilfe von Manipulation der internationalen Gemeinschaft von der Bush-Regierung begonnen wurde. Diese Unterscheidung ist eine zentrale Botschaft seiner geplanten außenpolitischen Linie. Während einer Rede an dem Forschungszentrum Woodrow Wilson International Center for Scholars in Washington, D.C. kündigt der demokratische Kandidat an: "When I am President, we will wage the war that has to be won, with a comprehensive strategy with five elements: getting out of Iraq and on to the right battlefield in Afghanistan and Pakistan; developing the capabilities and partnerships we need to take out the terrorists and the world's most deadly weapons; engaging the world to dry up support for terror and extremism; restoring our values; and securing a more resilient homeland. The first step must be getting off the wrong battlefield in Iraq, and taking the fight to the terrorists in Afghanistan and Pakistan." Nach dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama im Januar 2009 erfährt der Krieg in Afghanistan tatsächlich neue Aufmerksamkeit von der US-Administration. Wie es Obama versprochen hat, erweitert seine Regierung den außenpolitischen Fokus in Südasien auf Afghanistan gemeinsam mit dem angrenzenden Pakistan. Dieses Vorgehen wird von der Administration als "AfPak-Strategie" bezeichnet. Da sich in den Grenzregionen beider Länder sowohl die Taliban als auch der internationale Terrorismus weiterhin erfolgreich organisieren, sollen fortan "Afghanistan und Pakistan als zwei Länder, aber eine Herausforderung behandelt werden" (van Raemdonck 2009: 204). Am 27. März 2009 erläutert der US-Präsident das Ziel dieser neuen Außenpolitik und ihre Pläne zur Umsetzung. Im Vordergrund steht die Zerstörung von Al-Qaida sowie ihrer Unterstützer und ihrer Rückzugsgebiete (ebd.). Ihre militärische Umsetzung (im Vergleich zur diplomatischen, wirtschaftlichen etc.) findet die AfPak-Strategie des Präsidenten Obama in der "counterinsurgency"-Strategie. Die Zivilbevölkerung wird von der US-amerikanischen Seite verstärkt in die Militäroperationen einbezogen, um den Taliban den Einfluss auf sie zu erschweren oder ganz zu verhindern. Als "clearing, holding and building areas that had been under insurgent control", wird diese neue Strategie (Celso 2010: 185) beschrieben. Der Kommandeur der ISAF und der U.S. Forces Afghanistan der Jahre 2009 und 2010, General Stanley McChrystal, führt die Strategie in Afghanistan ein, General Petraeus übernimmt diese Aufgabe im Jahr 2010. Im Vergleich zu vorherigen Maßnahmen sollen hier erstens weniger die Aufständischen aufgespürt und getötet werden, dafür soll der Schutz der Zivilbevölkerung absolute Priorität haben. Zweitens sollen von den Taliban befreite Gebiete unter maßgeblichem Einsatz der afghanischen Sicherheitskräfte, der Afghan National Security Forces, gehalten werden (Fair 2010: 115). Ziel ist es, den Taliban die Kontrolle über Dörfer und kleine Regionen abzuringen und dort unter militärischem beziehungsweise polizeilichem Schutz staatliche Strukturen aufzubauen und vor allem zu verstetigen. Die afghanische Zivilbevölkerung soll die Veränderung als schnelle Verbesserung ihrer Situation wahrnehmen. Es sollen sowohl die Herzen und die Köpfe (the hearts and minds) der afghanischen Zivilbevölkerung gewonnen werden, als die Strategie gleichzeitig zum Zweck hat, den kriegerischen Einsatz gegenüber der amerikanischen Bevölkerung zu legitimieren (vgl. Koehler 2008: 7). Es ist ein zentrales Anliegen der Administration Obama, den Krieg in der amerikanischen Öffentlichkeit trotz aller Unbill als einen Krieg bewertet zu sehen, den es lohnt zu kämpfen. Wie Dimitriu festhält: "[S]uccess in the application of force depends less on the outcome of tactical operations on the battlefields but more on how the war's purpose, course and conduct is viewed by public opinion at home as well as within the theatre of operations." (Dimitriu 2012: 196) Und so erklärt auch der leitende General Stanley McChrystal zu Beginn der Mission am 30. August 2009 in Kabul, dass ein essentieller Teil dieser Strategie zur Delegitimierung der gegnerischen Kräfte in Afghanistan darin bestehe, dass die afghanische ebenso wie die amerikanische und die internationale Öffentlichkeit von dem Erfolg der Mission überzeugt werden könne (vgl. ebd.: 203; Egnell 2010). Klassischer Weise übernehmen die journalistischen Medien die Aufgabe, der amerikanischen Öffentlichkeit von Kriegen zu berichten. Meist spielen sich diese Kriege dabei nicht einmal auf amerikanischem Territorium ab: Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg stellt einzig der japanische Angriff auf den hawaiianischen Hafen Pearl Habour ein Kriegsereignis dar, welches auf amerikanischem Territorium stattfand. Ansonsten erlebt die amerikanische Öffentlichkeit Kriege als medial vermittelt. Im ersten und zweiten Weltkrieg, im Korea-, Vietnam- und im Golfkrieg sowie während der kürzeren Kriegseinsätze auf Grenada oder in Somalia waren es stets die journalistischen Medien, die die amerikanische Öffentlichkeit mit Informationen von der weit entfernten Front versorgten. Doch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist es nicht mehr allein der Journalismus, der vom Krieg berichtet. Andere Medienakteure sind hinzugekommen und in den USA haben sich die "New Media" zum integralen Bestandteil kommunikativer Prozesse des alltäglichen Lebens entwickelt. Die digitalen Medien, ihre multilateralen Kommunikationswege, Infrastrukturen und Technologien bilden nunmehr einen wichtigen Teil der zeitgenössischen Medienlandschaft. So hat der Journalismus durch die neuartigen partizipativen Technologien, die in Form von weblogs, videologs, sozialen Netzwerken und frei zugänglichen Diensten wie Twitter genutzt werden, in seinen Kernkompetenzen der öffentlichen Informationsvermittlung und Themensetzung starke Konkurrenz bekommen. Bilder und Filme können überall und von jedem, der über eine digitale Kamera und einen Internetzugang verfügt, publiziert werden. Aufnahmen des Krieges werden beispielsweise von in Afghanistan oder im Irak stationierten Soldatinnen und Soldaten produziert und auf Youtube veröffentlicht, Zivilisten bloggen aus Bagdad, Wikileaks lädt Videos und Dokumente des Krieges auf frei zugängliche Webseiten. Und damit sind noch nicht einmal alle Akteure genannt. Darüber hinaus ist die Unterhaltungsindustrie aktiv, mit großen Blockbuster-Produktionen, kostspielig produzierten TV-Serien und Videospielen täuschend echte Fiktionen des Krieges auf den Bildschirmen des US-amerikanischen Publikums zu erzeugen. Der Film "Zero Dark Thirty" über die Suche nach Osama bin Laden kann hier beispielhaft genannt werden, ebenso die HBO-Serie "Generation Kill" über die ersten Wochen des Irakeinsatzes 2003 od...

Autorenporträt

Annika Bach war wiss. Mitarbeiterin am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin und forschte 2010/11 an der Columbia University, New York. Sie arbeitet heute als Lektorin.

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