Reden, Streiten, Respektieren

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52 Briefe zur Demokratie

ISBN: 3942466473
ISBN 13: 9783942466479
Autor: Sommer, Jörg
Verlag: Republik Verlag
Umfang: 212 S.
Erscheinungsdatum: 29.03.2021
Auflage: 1/2021
Format: 1.5 x 19 x 12
Gewicht: 231 g
Produktform: Kartoniert
Einband: Kartoniert

Im Grunde ist dieses Buch ein Newsletter. Konkret: 52 Newsletter. Wie es zu diesen Newslettern kam und wie daraus ein Buch geworden ist, das hängt mit dem aktuellen Zustand unserer Demokratie zusammen. Und der gibt Anlass zur Besorgnis. Manche stimmen bereits zu einem Abgesang an, erklären das Zeitalter der Demokratie für beendet, trauen ihr nicht zu, die gro-ßen globalen Herausforderungen zu bewältigen, sehen rechtspopu-listische Parteien und autoritäre Gesellschaftsmodelle auf dem Vormarsch. Daran ist viel Wahres – aber ganz so einfach ist es nicht. Denn das, was wir aktuell als demokratische Staatsformen kennen, gerät zwar unter Druck, doch es ist beileibe nicht die einzig denkbare Variante von Demokratie. Für alle gesellschaftlichen Konzepte galt zu allen Zeiten. Die Gefahr liegt im Stillstand, nicht im Wandel. Die Lebenserwartung erstarrter, verkrusteter, reformunfähiger Staatsgebilde war historisch stets kurz. Das gilt auch für grundsätz-lich demokratische Herrschaftsformen. Das aktuell in vielen Ländern, auch in Deutschland, praktizier-te gesellschaftliche Modell der repräsentativen Demokratie, ist tat-sächlich historisch eher jung. Ein Vorläufer war die attische De-mokratie, die sich im 5. Jahrhundert vor Christus entfalten konnte. Es war die Zeit der größten Machtentfaltung Athens. Die attische Demokratie war eine auf das Prinzip der Volkssouveränität aufge-baute politische Ordnung. Dieser Verfassungstypus war ein direkt-demokratisches Modell, das allerdings nur einem kleinen Teil der Bevölkerung Attikas das Recht auf Partizipation an politischen Ent-scheidungen gab. Obwohl global die repräsentative Demokratie in den vergan-genen zwei Generationen tatsächlich das Modell mit der größten Attraktivität in zahlreichen unterschiedlichen Nuancen und Ausprä-gungen war, ist es auch ein Konzept, das erkennbar an Grenzen stößt. Auf den ersten Blick erscheint es paradox, von Auszehrungs-erscheinungen in den klassischen Demokratien des Westens zu sprechen, denn seit dem historischen Jahr 1989, in dem es zum Zu-sammenbruch der zweigeteilten Welt kam, ist die Zahl der Länder, in denen demokratische Wahlen stattfinden, stark angestiegen. Allerdings müssen wir feststellen, dass eine Ausweitung de-mokratischer Systeme durchaus mit einer Delegitimierung demo-kratischer Willensbildung und mit einem autoritären Populismus verbunden sein kann. Wolfgang Merkel, Direktor am Wissenschaft-szentrum Berlin, spricht von „defekter Demokratie“. Aktuell erle-ben wir in vielen demokratischen Gesellschaften Rückschritte bei vermeintlichen Standards wie fairen Wahlen, Oppositionsrechte, Transparenz, Pressefreiheit, Rechtssicherheit oder Gewaltenteilung. Die Bertelsmann Stiftung analysiert und vergleicht seit 2003 in ih-rem so genannten Transformationsindex weltweit demokratische Entwicklungen. Sie sieht die demokratische Kultur in den vergan-genen Jahren tendenziell auf dem Rückzug. Auch in Deutschland hat aus unterschiedlichen Gründen eine Entfremdung zwischen der parlamentarisch-repräsentativen Demo-kratie und der Bürgerschaft zugenommen. Die klassischen Volks-parteien verlieren an Bindungskraft, das Vertrauen in die Rege-lungskraft der Politik sinkt. Während repräsentative Systeme in der Kritik stehen, findet die Forderung nach Formen direkter Demo-kratie und plebiszitären Elementen wachsende Zustimmung – übri-gens auch bei rechtsradikalen Kräften und autoritär-nationalistischen Bewegungen. Besonders erfolgreich ist unserem Land die sogenannte Alter-native für Deutschland (AfD), die mit Vorurteilen, Ausgrenzungen und des Abstreitens unbequemer Fakten Stimmungen gegen eine rationale Willensbildung betreibt. In den Medien wird dieses Vor-gehen als „Populismus“ bezeichnet, tatsächlich ist es aber ein An-griff auf die Prinzipien der Demokratie. Der Befund in den meisten europäischen Ländern ist ähnlich: Überall wird es schwieriger, zu einem stabilen Konsens und zu dauerhaftem Vertrauen zu kommen. Das destabilisiert wichtige ge-sellschaftlich

Artikelnummer: 1878449 Kategorie:

Beschreibung

Freie Wahlen sind ein Wesensmerkmal der Demokratie. Doch sie sind längst nicht alles. Und vor allem: Sie alleine halten eine demokratische Kultur nicht am Leben. Wer Demokratie auf Wahlen reduziere, so Jörg Sommer, der setze ihre Zukunft aufs Spiel. Denn Demokratie ist nicht in erster Linie Herrschaftssystem, sondern Kultur. Und als solche lebt sie von demokratischen Alltagserfahrungen, vom Diskurs, vom Streit, aber auch vom gegenseitigen Respekt. Der Direktor des Berlin Institut für Partizipation plädiert in seinen Büchern,Vorträgen und Interviews deshalb immer wieder für mehr politische Teilhabe und aktive Beteiligung. Seit Anfang 2020 publiziert er den viel beachteten wöchentlichen Newsletter demokratie.plus. Alle Ausgaben des ersten Jahres sind in diesem Band gesammelt: 52 Briefe zur Demokratie, die zahlreiche Aspekte und Entwicklungen unseres politischen Systems pointiert erklären, kritisch hinterfragen und innovative Vorschläge präsentieren.

Autorenporträt

Jörg Sommer (*1963) ist Politikwissenschaftler und Soziologe, er beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Fragen des gesellschaftlichen Engagements und Zusammenhaltes. So gibt er unter anderem das in zweijährigem Rhythmus erscheinende KURSBUCH BÜRGERBETEILIGUNG heraus. Er ist Direktor des Berlin Institut für Partizipation und in dieser Eigenschaft auch als Gutachter und Berater für Parlamente, Ministerien, Stiftungen und Verbände tätig. Außerdem wirkt er als Koordinator der Allianz Vielfältige Demokratie, in der über 220 Expert*innen aus Bundesministerien, allen Landesregierungen, internationalen Organisationen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an der Entwicklung und Erprobung neuer Formen zivilgesellschaftlichen Engagements und Bürgerbeteiligung arbeiten. Seit 2020 publiziert er einen kostenlosen wöchentlichen Newsletter demokratie.plus zu Fragen der Demokratie und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Herstellerkennzeichnung:


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