Beschreibung
Überohrs Enkel Nachwort von Ralf Zühlke, Stadtlichterpresse Olaf Velte taucht in die Werke, die er seit Jahren für die Frankfurter Rundschau bespricht, tief ein. Mit den Ohren voran, Hirn, Herz und Bauch folgen umgehend hinterdrein, lässt er sich - erfrischend frei von jener blasierten Überheblichkeit, die viel zu oft zu Tage tritt, wenn Kritiker meinen, sich auf Kosten von Künstler:innen profilieren zu müssen - ohne Vorbehalte ein auf die Klänge der unterschiedlichsten Genres. Er schreibt nieder, was er während des Hörens empfindet, die Gedanken fließen frei und ungebremst, so dass sie sich zuweilen vermischen mit Alltäglichem aus dem Leben des Verfassers - und damit gleichermaßen den Leser:innen die Möglichkeit bieten, sich wiederzufinden, Parallelen zu erkennen, Nähe zu der ihnen noch unbekannten Scheibe und/oder Band/Musiker:in herzustellen. So muss es sein, so wird Neugier geweckt, Interesse an bisher ungehörten Klängen und Texten. Viele der von ihm besprochenen Bands kennt hier kein Mensch. Velte leistet Pionierarbeit, richtet - fernab der Heimat der Musikant:innen - einen Scheinwerfer auf sie, spricht uns eine Einladung aus, Neues zu entdecken. Und das mit sehr packenden, mitunter geradezu herzerwärmenden Worten. Er macht sich die Mühe, Hintergrundinformationen zusammenzutragen, in teils sehr aufwändiger Recherchearbeit, und schafft so ein besseres Verständnis für das, was er uns zu Hören anträgt. Wir erfahren Details, auf die sich zu achten lohnt, um das entsprechende Musikstück besser - oder aus anderer Perspektive - wahrnehmen zu können. Die Musik entsteht nicht aus dem Nichts. Die lokalen/regionalen, sozialen und natürlich auch biographischen Aspekte, die zu ihrer Entstehung führten, sind für ein tieferes Verständnis von Bedeutung, sofern die Platte nicht nur als dahinplätschernde Begleitmusik genutzt wird. Doch auch die Alben bekannter Größen, seit Jahrzehnten im Geschäft, wie beispielsweise Lucinda Williams, werden sorgfältig behandelt. Dabei wird vor den großen Namen nicht zurückgeschreckt, sondern durchaus kritisch angemerkt, was nicht gefällt oder man sich anders gewünscht hätte. Natürlich ist die Meinung eine subjektive, ist wie immer alles auch eine Frage des Geschmacks. Aber auch das ist ein Punkt, der die Lektüre dieser Rezensionen so reizvoll macht und dem Verfasser keinesfalls vorzuwerfen ist, sondern als Aufforderung angesehen werden sollte, jene Ansicht mit den eigenen Ohren zu überprüfen. Es lässt sich wohl nicht erfassen, wie viele Leser:innen Olaf Velte mit seinen Rezensionen dazu bewegt hat, den nächsten Plattenladen aufzusuchen. Oft genug war ich einer von ihnen und daher begrüße ich es sehr, dass nun, mittels dieses Buches, auch Musikfreund:innen außerhalb der Reichweite der FR in den Genuss dieser Betrachtungen kommen. Die Bands - und natürlich auch die Solokünstler:innen -, die in ihrer Heimat wahrscheinlich nichts von Olaf Velte wissen, werden ihm dankbar sein für die Bresche, die er hier für sie schlägt.
Dies ist ein Lesebuch, eine Vergnügungsreise durch Musiken - Olaf Velte hat die Texte vom Jahr 2013 bis heute als Rezensionen in einer der Frankfurter Tageszeitungen an die Ohrwürmer gefunkt, nun sollen sie auch den Bücherwürmen zugänglich werden. Mit dem Dichter Olaf Velte selbst gesprochen: Rhythmus ist die Sprache. Den Sound, die Energie spüren. Bevor der Geist sich einschaltet, ist der Körper schon auf die Reise gegangen. Zuerst also die kleinen Passagen, bevor Horizonte sich auftun. Stücke, die auf wenig gebaut sind: Schlagzeug, Bass, Gitarre, manchmal eine Singstimme. Manchmal viel mehr. Und auch hier - was Dir beim Aufwachen, Aufwachsen ins Ohr geträufelt wurde.
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