Der Zauber von Rash

Lieferzeit: Lieferbar innerhalb 5 Werktagen

17,00 

Gesamtausgabe

ISBN: 3910536050
ISBN 13: 9783910536050
Autor: Clever, Florian
Verlag: Clever Selbstverlag
Umfang: 462 S.
Erscheinungsdatum: 15.03.2023
Format: 3.3 x 21 x 14.8
Gewicht: 526 g
Produktform: Kartoniert
Einband: Kartoniert

Wenn dein letzter Ausweg alles ins Chaos stürzt.

Die junge Fürstentochter Arite wird zur letzten Hoffnung aller freien Reiterstämme von Rash.

Artikelnummer: 8896898 Kategorie:

Beschreibung

1. Der Turm Die aufziehende Nacht schluckte die einsame Hütte. Darin starrte der Knochenschüttler auf das Ergebnis seines Wurfs. Im Kamin starb das Torffeuer vor sich hin. Er bemerkte es kaum, trotz des schwindenden Lichts. Sein Blick galt allein dem Ergebnis des Wurfs mit den Knöchelchen: Die kleinen Gebeine auf dem Tisch bildeten den Turm - die seltenste aller Vorhersagen. Für den Turm mussten die Knochen auf eine Weise aufeinandergestapelt liegen bleiben, die den Naturgesetzen spottete. Meistens kippte er schon wieder um, ehe das letzte Knochenstückchen aufhörte zu zittern. Wenn das geschah, zählte der Wurf nicht, und bei der Ehre der Ahnen von Rash! Das wäre auch besser so gewesen. Der Turm verhieß Unheil. Er stand für die Zerstörung von allem, was war, für den Umsturz der geltenden Ordnung. Er bedeutete Chaos, den Niedergang der Dinge, verbrannte Erde. Da gab es nichts zu beschönigen. Gebannt schaute der Knochenschüttler auf das gefürchtete Resultat. Das durfte nicht wahr sein! Noch nie zuvor hatte er den Turm geworfen, und er befragte die Knochen nun schon seit Jahrzehnten. Bang besah er die labile Struktur von allen Seiten, in der Hoffnung, sich zu irren. Vielleicht bot sich ja doch noch eine andere Deutung an? Etwas Milderes, mit einem Hoffnungsschimmer am Horizont? Kurz darauf resignierte er. Keine Chance. Auf dem Tisch erhob sich eindeutig der Turm. Aufrecht und drohend, eine Schleuder des Grauens. Nach und nach füllte die Hütte des Einsiedlers sich mit Dunkelheit. Draußen rauschten die Baumkronen im Wind, es knackte im Wald. Wie passend. Wenn ohnehin das Ende nahte, so machte ein Sturm doch einen stimmigen Anfang. Er hatte die Knochen gefragt, wie es um die Herrschaft des Khans von Rash bestellt war, des Oberhaupts aller Rashtei, dem Reitervolk der Grünen Weite. Zu lange schon gab es Unfrieden zwischen den neun Stämmen der Taiga. Es wurde immer deutlicher, dass der Khan die Einigkeit aller nicht mehr länger gewährleisten konnte. Und wo das Wort des Khans an Gewicht verlor, da setzte sich das älteste Gesetz von Rash wieder durch: das Recht des Stärkeren. Der Knochenschüttler sank zurück auf den Hocker, den er für die Rundumbegutachtung des Turms verlassen hatte. Sorgfältig sortierte er seine schlichte braune Robe, einer Mönchskluft ähnlich. Äußerlich wirkte er ganz ruhig. In ihm aber tobte ein Sturm, gegen den die Brise in den Bäumen nur einem müden Hauch glich. Er betrachtete den Turm aus Knochenstückchen eindringlich, als wollte er ihn allein mit den Augen umwerfen. Die Knochen aber behielten ihre Position bei und kümmerten sich nicht um seine Verzweiflung. 'Es hat immer einen Khan gegeben', murmelte er verdrossen, 'seit das große Eis gewichen ist und die Ahnherren gebannt wurden. Ohne Khan ertrinken wir doch in unserem eigenen Blut! Dann wird die Grüne Weite wieder zu einer Hochebene der Flammen werden. So, wie es schon einmal war.' Er wollte sich nicht ausmalen, was käme, wenn der seit Jahren schwerwiegendste Konflikt, der Rachekrieg zwischen den Hohen Falken und den Weißen Mähnen, ganz Rash in seinen Bann ziehen würde. Und genau danach sah es vor ihm auf dem Tisch nun aus. Nichts anderes konnte der Turm bei dieser Fragestellung doch bedeuten. Die Falken und die Mähnen befehdeten sich bereits seit anderthalb Jahrzehnten. Wenn eine der Streitigkeiten unter den Rashtei bis zu dem jetzt vorhergesagten Ergebnis eskalieren sollte, dann diese. Angespannt strich der Eremit sich das stoppelige Kinn. Warum musste es ausgerechnet während seiner Lebzeit so weit kommen? Himmel noch mal! Er hatte schon weit über sechzig Sommer gesehen. Hätte ihn ein gnädiges Geschick seine letzten Jahre nicht in Frieden altern lassen können? Dafür sorgen, dass dieser Krieg erst nach seinem Tod ausbrach? Gemütlich tattrig werden und dann irgendwann von selbst umkippen, so hatte er sich seine Zukunft vorgestellt. Besser noch, sich im Schlaf still und schmerzlos davonmachen. Und nun Seine Faust krachte auf die Tischplatte. Der Turm erzitterte, doch er blieb stehen. Noch ein Fausthieb. Die Muskeln mochten bereits welk werden, aber wütend, wie er war, haute er zu, dass das Mehl aus den Löchern des Holzwurms rieselte. Immer wieder. Krach! Krach! Eines der Knöchelchen geriet in Schieflage. Dann ein zweites. Und noch immer stürzte der Turm nicht in sich zusammen. Entnervt packte der Alte den Tisch und rüttelte wild daran. Da, endlich, klackerten die Knochen über die Bretter. Keuchend rieb er die schmerzende Hand. Sein Herz spielte Fohlen in seiner Brust, hopsende, unregelmäßige Sprünge. Geschafft! In diesem Moment beugte sich Taront, der Schicksalsgott, von hinten über seine Schulter und räusperte sich. Wenigstens kam es dem Knochenschüttler so vor. Auf einmal fühlte er sich beobachtet, obwohl seine Hütte fünf Tageswanderungen von jedem Dorf entfernt lag, und auch abseits aller Routen der Nomaden. Der nächste Götterschrein war weit. Es half nichts: Der Eindruck, mit seiner kindischen Tat bei Taront, dem Ersten der himmlischen Fünfe, keinesfalls durchzukommen, begann an ihm zu nagen. Bis er es nicht länger aushielt. Reuig sammelte er die Knochen ein. Wog sie in der Hand. Knallte sie zurück auf den Tisch und stand auf, um Torf nachzulegen. Das Feuer brauchte jetzt zwar wirklich neue Nahrung, wenn er hier nicht bald in völliger Tintenschwärze sitzen wollte. Es lastete auch so schon genug Düsternis auf ihm. Vor allem aber brauchte er auf diesen Schrecken etwas, das seine Hände beschäftigte und ihn ablenkte, neben Licht und Wärme. Ächzend beugte er die Knie bis an die Belastungsgrenze, bis er den obersten Torfballen im Lager zu fassen bekam. Gierig leckten frische Flammen an dem überfälligen Nachschub. Der kräftige Geruch des Feuers nahm wieder zu. Der Einsiedler schlurfte zu dem einzigen Fenster der Hütte und linste durch die Ritzen des verschlossenen Ladens. Draußen wütete der Sturm. Die Nacht war da. Es dauerte eine Weile, bis er die Umrisse von einzelnen Baumstämmen rings um seine Hütte erkennen konnte. Antworten auf seine drängenden Fragen fand er zwischen den Tannen keine. Die musste er sich schon selber geben. Hätte er damals doch nur etwas Gescheites gelernt! Hufschmied oder so Etwas Praktisches, Handfestes. Aber nein, es hatten unbedingt die Knochen sein müssen. Bloß, weil er die Wahrsager als Kind immer so um die Aufmerksamkeit beneidet hatte, die ihnen vom Volk entgegengebracht wurde, wenn sie mit raunender Stimme von der Zukunft sprachen. Der Rachekrieg zwischen den Falken und den Mähnen, den beiden einflussreichsten Stämmen der Hochebene Neu entfacht, wie gerade eben das Feuer Schlimmer als je zuvor Keiner mochte heute mehr beschwören, was genau den Zwist eigentlich vom Zaun gebrochen hatte. Angeblich war die Tochter des mittlerweile greisen und kranken Fürsten der Weißen Mähnen vom Sohn des damaligen Anführers der Hohen Falken geschändet worden. Und das während eines friedlichen Treffens, während Verhandlungen über gemeinsame Beutezüge. Stattdessen war es zum Bruderkrieg gekommen. Was immer im Felsenhort, dem Stammsitz der Falken, damals wirklich geschehen war: Nicht einmal der Khan hatte die beiden Lager danach noch einmal an den Verhandlungstisch bringen können. Bereits zu jener Zeit hatte sich abgezeichnet, dass der Khan im Grunde schon jenseits des Zenits seiner Macht gewesen war. Dass es mit dem Zusammenhalt unter den Stämmen von Rash bergab ging und die Große Radnabe nicht mehr rund lief. Über fünfzehn Jahre war das nun schon her. Noch heute töteten sich die Falken und die Mähnen mit der gleichen Wut wie früher. Und das Oberhaupt der Grünen Weite hockte in seiner Stadt im Zentrum der Hochebene und sah zu. Heute also der Turm. Seufzend kehrte der Knochenschüttler Fenster und Sturm den Rücken zu. Sein Wurfergebnis aber würde sich nicht so leicht ausblenden lassen. Und wenn doch ein Irrtum vorlag? Wenn es nur ein hässlicher Zufall war,...

Wenn dein letzter Ausweg alles ins Chaos stürzt. Arite soll beim Khan Hilfe gegen den Erzfeind ihres Stammes holen - Todor Zweipfeil. Verfolgt von den Schergen des machthungrigen Fürsten, wird ihr klar: Die ganze Grüne Weite droht unter Zweipfeils Schatten zu fallen. Und niemand wird ihn stoppen, wenn sie es nicht selbst versucht. Für einen Sieg aber muss Arite an uralter, verbotener Magie rühren.

Autorenporträt

Florian Clever schreibt vorwiegend klassische Mittelalter-Fantasy. Unter dem Pseudonym Clark C. Clever veröffentlicht er auch Science-Fiction. Dreißig Jahre war er im Pen-&-Paper-Rollenspiel unterwegs. Seine Ideen und sein prägnanter Stil nehmen immer mehr Leserinnen und Leser für sich ein. Der ehemalige Werbetexter ist sowohl Geschichtenerzähler als auch überzeugter Selbstverleger. Die Gesamtausgaben seiner Werke sind im Handel als Softcover erhältlich. Wenn er nicht gerade an seiner nächsten Story feilt, geht er ins Kino, ins Schwimmbad oder im Wald spazieren. Mit Frau und Tochter lebt er in Düsseldorf. www.florianclever.de www.facebook.com/floriancleverautor/

Herstellerkennzeichnung:


Florian Clever
Florian Clever
Hülsmeyerstr. 24e
40629 Düsseldorf
DE

E-Mail: info@florianclever.de

Internet: www.florianclever.de

Das könnte Ihnen auch gefallen …