Sprechen in Flechten

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Gedichte, Reihe Lyrik 96

ISBN: 3948336342
ISBN 13: 9783948336349
Autor: Schmidt, Nea
Verlag: kookbooks Daniela Seel
Umfang: 96 S.
Erscheinungsdatum: 23.03.2026
Produktform: Gebunden/Hardback
Einband: Gebunden

I ich weiß nicht was am Anfang war das Wort oder das Chaos und mit Chaos meine ich ein Gemisch aus Wasser und Farbe oder aus Erde und Blau oder aus Himmel und Stein oder ein trostloses Grau und mit trostlos meine ich nichts weil niemand bedürftig oder traurig ist das Chaos war ein süßlicher Brei und das Chaos war wie warmer Flaum und fühlte sich an wie weicher Schaum wie ein Schwamm der Kreide zu Nebel wischt Sporen und Puder Pastell Myzel Schuppen und Staub Talg alles geht in den Schwaden auf unbestimmt nicken die weichen Köpfe der Pilze und neigen höflich schweigend ihre Lamellen bilden sie Schirme oder tragen sie Hüte was geht uns das an fragen wir in unsere Leere hinein der Schall der an die Rippen prallt wirft ein oder fragt ist ein Körper ein Raum wir schweigen und denken an Türen erinnern uns kaum II der Atem regelt alles diskret: die Lunge saugt das Universum auf das Universum wringt die Lunge aus der Austausch der Spuren folgt der Partitur der Partikel oder ihrem Schirmherrn dem Staub der heiser raunt Asche zu Asche Pixel zu Pixel Tür zu Tür auf ach die Pilze fordern uns eh erst später zurück gnädige Gönner sind sie gewähren uns Stochern und Kleinlichkeit die albernen Unterscheidungen vorerst wischen wir das alles weg und ignorieren was die Lunge füllt wir kontrollieren unsere Türen spielen uns auf Der Schlaf fällt schal ein, fällt jede Nacht einen Baum. Bin zwischen den Maschen. Mein Körper lässt sich begreifen als Angst im Käfig & als enger Weltraum & als zerfaserter Faden & als zugestellter Wald & als mit Sommern beladener Halm In Maschen gedrängt & zwischen den Maschen rächt sich die Flechte am Baum

Artikelnummer: 9000650 Kategorie:

Beschreibung

Sprache als Alge an Land, die sich über die Ränder der Dinge ausbreitet: Worum geht es in Nea Schmidts Debütband Sprechen in Flechten? Um alles! Also um nichts? Nein, um das Verwischen, um ein Verwachsen mit den Schwestern, um ungefestigte Identität, oder vielleicht um ein verflochtenes, sich ständig änderndes Sein. In den Begriff der Flechte schleicht sich - wie ein Parasit, oder wie ein Zweifel, als Befall - das Flechten ein, eine traditionell weibliche Kulturpraxis. Sprache als Gewebe, Liebe als Laufmasche. Kategorisierungen werden immer wieder angedeutet, nur um sie dann zu unterlaufen, indem sich das lyrische ich oder dessen Sprache - oder doch die Welt sich dem lyrischen ich? - als Flechte darstellt: als eigenständige, fremde oder sogar unheimliche Lebensform, als symbiotische Gemeinschaft, die verschiedenste Materien besiedelt. Begriffe domestizieren, dedomestizieren. Sprechen in Flechten stellt sich als rastlose Denkbewegung dar, die eine poetische Position innerhalb eines anthropomorphen Verhältnisses einnimmt, in dem sich Natur spaltet, kultiviert, entfremdet, wiederbegegnet und reibt. Aus dieser Reibung entstehen Gedichte: wuchernd, das Wuchern ordnend, die Ordnung überwuchernd usw. Nea Schmidt

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kookbooks Daniela Seel
Schlieperstr. 59
13507 Berlin
DE

E-Mail: daniela.seel@kookbooks.de

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