Das Zenonzän

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Paradoxien des Fortschritts. Essays, Nautilus Flugschrift

ISBN: 396054474X
ISBN 13: 9783960544746
Autor: Cole, Isabel Fargo
Verlag: Edition Nautilus
Umfang: 184 S.
Erscheinungsdatum: 01.09.2025
Format: 1.4 x 20.8 x 12.5
Gewicht: 219 g
Produktform: Kartoniert
Einband: Kartoniert

Zwischen Schöpfungsgeschichte und Stasi, Sprache und Technologie entwirrt Isabel Fargo Cole zentrale philosophische Fragen der Gegenwart

Artikelnummer: 6354525 Kategorie:

Beschreibung

Eine standpunktlose Maschine, ein Abstraktum ohne Welterfahrung kann niemals wirklich schreiben oder übersetzen, glaubte und glaube ich. Damit meine ich nicht allein die 'stilistische' oder 'kreative' Arbeit, die in den einschlägigen Debatten meist als eine dem 'Inhalt' aufmontierte Benutzeroberfläche gehandelt wird. Nein, ich denke schon an die Bedienungsanleitungen für die Großindustrie, die ich Ende der 1990er in einem Übersetzungsbüro computerunterstützt übertrug, ohne von Industriemechanik die geringste Ahnung zu haben. Zwar konnte die Software-Maske bei jedem Satz auf eine bereits übersetzte Vorlage zurückgreifen, die komplett zu übernehmen oder leicht zu variieren war, so dass der Arbeitsrhythmus einer einlullenden seriellen Musik glich. Aber manchmal schreckte ich auf, weil in der Vorlage ein uneindeutiger Begriff steckte und ich eine eigenständige Entscheidung treffen musste. Dabei konnte ich mir von den Mechanismen, um die es ging, überhaupt kein Bild machen. Bei den elementarsten Dingen - physische Strukturen, Bewegungen im Raum - tappte ich im Dunkeln. Bedeutete an nun 'at', 'by', 'on' oder 'in'? Ich konnte mir nur eines vorstellen: Wie eine Arbeiterhand danebengreifen könnte, wenn ich die Präposition falsch übertrug. In einem entfernten Erdteil könnte ich eine Havarie auslösen.

Eine Läuferin steht in den Startlöchern bereit. Doch um ins Ziel zu kommen, muss sie zunächst die Hälfte der Strecke schaffen, und dafur wiederum die Hälfte der Hälfte Wenn sie fur jede Hälfte eine bestimmte Zeit benötigt und sich die Strecke unendlich oft halbieren lässt, ist dann auch das Rennen ein unendliches? Soll sie uberhaupt loslaufen? Heute ist klar, dass dem Paradoxon des Zenon von Elea ein Fehlschluss zugrundeliegt - und doch ist gerade fur dieses Heute einiges an Wahrheit darin aufgehoben. Die ständige Teilung der Gesellschaft in immer kleinere Identitäten und Bubbles, das technologische Sprinten ohne echten Fortschritt, ohne Vorwärtskommen. Leben wir vielleicht im Zenonzän? Mit einem aufmerksamen Interesse fur die großen Fragen, die uber unserer Gegenwart schweben, und einem emphatischen Blick fur kleine und randständige Tendenzen schreibt Isabel Fargo Cole uber Sprache und Wortmaschinen der Kunstlichen Intelligenz, uber Postwachstum und Schöpfungsgeschichte, uber den Stillstand der Lockdowns, Überwachung, linken (und rechten) Technikoptimismus und die Arbeit des Übersetzens. Sie weist auf manch erschreckende Bruchkante im stabil geglaubten Fundament unseres Weltbilds hin, findet aber auch verbluffend schöne, funkelnde Einschlusse im Gestein des Zenonzäns.

Autorenporträt

Isabel Fargo Cole (*1973 in Galena, Illinois), Autorin und Übersetzerin, lebt seit 1995 in Berlin. Ihr Debütroman 'Die grüne Grenze' (2017) war für den Preis der Leipziger Buchmesse und den Klaus-Michael Kühne-Preis nominiert. 2018 erhielt sie den Helen & Kurt Wolff Übersetzerpreis für ihre Übersetzung von Wolfgang Hilbigs 'Alte Abdeckerei' ins Englische. Ihr Roman 'Das Gift der Biene (2019) wurde für die LiteraTour Nord ausgewählt. 2022 erschien 'Die Goldküste. Eine Irrfahrt' (Matthes & Seitz). 2023 wurde ihr der Literaturpreis der A und A Kulturstiftung verliehen.

Herstellerkennzeichnung:


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Schützenstr. 49a
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DE

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