Pogrom 1938

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Das Gesicht in der Menge

ISBN: 303850050X
ISBN 13: 9783038500506
Autor: Ruetz, Michael/Köppe, Astrid
Verlag: Nimbus Verlag AG
Umfang: 155 S.
Erscheinungsdatum: 09.11.2018
Auflage: 1/2018
Format: 1.9 x 29.6 x 24.5
Gewicht: 1064 g
Produktform: Leder/Künstlerischer Einband
Einband: Halbleinen
Artikelnummer: 5124437 Kategorie:

Beschreibung

Als am 9. November 2014 der 25. Jahrestag des Mauerfalls mit Reden, Feuerwerk und Musik am Brandenburger Tor gefeiert wurde, stand auch Michael Ruetz in der Menge. Fassungslos verfolgte er, wie kein Wort darüber fiel, dass der 9. November auch der Tag der Pogrome des Jahres 1938 ist - der 'Reichskristallnacht', wie die Nazis ihren Terror nannten. Dieses neuerliche Erlebnis deutscher Geschichtsverdrängung veranlasste ihn, auf die Suche nach Bilddokumenten und Augenzeugenberichten zum 9. November 1938 zu gehen. Zusammen mit Astrid Köppe hat er mehr als tausend lokale, regionale und internationale Archive kontaktiert, um eine konkrete Vorstellung davon zu gewinnen, was an jenem Tag des Jahres 1938 geschehen ist: Was der ganz normale Bürger getan, gebilligt und gesehen hat bzw. gewusst haben muss. Die Recherche förderte eine ungeahnte Fülle an Bildern und Zeitzeugenberichten zutage, die eine weitreichende Komplizenschaft von Tätern und Mitläufern zeigen: hier die Zerstörungswut und triumphierende Häme des entfesselten Mob, dort die feige Neugier der Zuschauer mit den Händen in den Taschen. Die Fotos aus ganz Deutschland dokumentieren, wie leicht auch und gerade in der Provinz, wo jeder jeden kannte, die Gewaltbereitschaft zu entfesseln war - und wie wenig Mut und Zivilcourage sich dagegen erhob. So markiert der 9. November 1938 den Probelauf und Anfangspunkt des Holocaust - unter aller Augen. Dem Band ist eine Rede von Christoph Stölzl, dem Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Museums, vom 9. November 1988 beigegeben, die sich der Frage widmet, wie das kollektive Gedenken an einen solchen Tag des Verbrechens aussehen könnte - oder müsste. Denn selbst hier droht eine Gedenktags-Routine, als wäre dieser Tag ein historisches Datum wie viele andere - zumal seit dem 9. November 1989 das neue deutsche Einigkeitsgefühl diese Frage in den Hintergrund drängt. Ein Essay von Michael Ruetz über den deutschen Umgang mit dem Datum des 9. November beschließt den Band.

Autorenporträt

Michael Ruetz, geb. 1940, studierte in den 1960er Jahren zunächst Sinologie, ehe er sich der Fotografie zuwandte. Er legte bei Otto Steinert an der Folkwang-Schule in Essen das Examen ab, war danach Mitglied der STERN-Redaktion, Vertragsautor der New York Graphic Society in Boston und Professor für Kommunikationsdesign. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den Preis der Villa Massimo, den Otto-Steinert- Preis und andere. Er ist Officier de l'Ordre des Arts et des Lettres und Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Berühmt wurde Ruetz mit seinen Fotos der 1968er- Jahre, von denen viele heute als Ikonen der Zeit- und Fotogeschichte gelten. Darüber hinaus hat Ruetz mehr als 40 Bücher veröffentlicht, darunter: «Eye on America», «Scottish Symphony», «Dylan Thomas», «Sichtbare Zeit», «Arno Schmidt», «Windauge». Bei Nimbus erschien im Oktober 2017 «Gegenwind. Facing the Sixties».

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