Beschreibung
1 IN UNSEREM HERZEN WISSEN WIR, WAS RICHTIG IST Wie kommen wir von den negativen Erziehungsmethoden unserer Vorfahren wieder zurück zu unseren Träumen und in unser wahres Zuhause, das 'Hier und Jetzt'? 26 1 IN UNSEREM HERZEN WISSEN WIR, WAS RICHTIG IST 1.1 DER GEDANKE DER LIEBE Menschen, die als Kinder von ihren Eltern nicht sehr gut behandelt worden sind, hegen häufig den Wunsch, bei ihren eigenen Kindern vieles komplett anders zu machen. Sie haben ein Gefühl von 'Oh ja, so müsste es sein. Und wenn ich mal Mutter bzw. Vater bin, dann mache ich das ganz anders.' Die- se Idealvorstellung spüren wir tief in unseren Herzen, sie schwingt bei den meisten Eltern jeden Tag mit. In unserem Herzen wissen wir, was richtig ist. Doch dann holt uns die Alltagsrealität ein und wir merken, dass wir gar nicht so sein können, wie wir eigentlich in unserem Herzen sind - die bes- ten und liebevollsten Eltern der Welt. Wenn wir das zu oft nicht hinbekom- men, sind wir unzufrieden mit uns selbst. In unserer Frustration meckern wir dann aber unsere Kinder an, sind grob oder verhalten uns unfair. Hin- terher bereuen wir unser Verhalten oder könnten vor Scham im Boden ver- sinken. Wie konnte das passieren? Warum konnte ich meine liebevolle Hal- tung nicht zeigen? Manchmal kommen wir zu dem Schluss, dass es daran liegt, dass unsere Kinder so schwierig sind; und manchmal machen wir uns selbst unnötig schlecht. Beides hilft weder uns noch unseren Kindern. Die Lösung für dieses Dilemma liegt im Gedanken der Liebe. Am Anfang ist es ja oft so, dass wir uns als Paar sehr lieben und uns ein gemeinsames Kind wünschen, das aus dieser Liebe heraus geboren ist und in dieser Liebe auf- wächst. Dabei stellen wir uns unsere Elternschaft und unser Familienleben ideal und wunderschön vor. Genauso wie in unserer Vorstellung soll es sein! Doch dann ist in der Realität manches deutlich anders als in unserer rosa- roten Traumvorstellung. So können gar nicht so wenige Eltern ihre Kinder nicht oder zunächst nicht lieben - ein Tabuthema, über das kaum gespro- chen wird. Manche frischgebackenen Eltern kommen ganz gut mit der Um- stellung vom Paar ohne Kind zu Familie klar, andere weniger gut oder gar nicht. Wie auch immer: Das erste Lebensjahr des Kindes ist für die meisten Eltern ein drastischer Perspektivwechsel, dessen Tragweite sie vor der Ge- burt des Kindes niemals für möglich gehalten hätten. Kein Wunder, dass 1.1 Der Gedanke der Liebe 27 viele Eltern rückblickend erzählen, dass sie zwei Leben haben, dasjenige vor und dasjenige mit den Kindern. Doch egal mit welchen Hoffnungen und Erwartungen das Familienleben beginnt, die meisten Eltern kümmern sich 'ohne Wenn und Aber' um ihre Kinder, richten sich nach deren Bedürfnissen und fühlen sich bestmöglich ein. Weil Babys noch nicht sagen können, was sie brauchen, beobachten die Eltern ihr Kind sehr gut und tun alles in ihrer Macht stehende, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Doch plötzlich - meist um den ersten Geburtstag des Kindes herum - pas- sieren sowohl auf der Kinder- als auch auf der Erwachsenenseite mehrere Dinge gleichzeitig: Wir können und wollen uns nicht mehr ausschließlich nach den Bedürfnissen unseres Kindes richten und das ist auch gut so. Un- sere Kinder entwickeln einen eigenen Willen und tun diesen deutlich kund. Da ist Knatsch vorprogrammiert! Oft gehen wir um des lieben Friedens willen über unsere Grenzen hinaus, manchmal sogar sehr weit. Und bevor wir es uns versehen, verhalten wir uns möglicherweise genauso wie unsere eigenen Eltern, obwohl wir uns damals geschworen hatten, dass wir uns unseren Kindern gegenüber nie- mals so verhalten würden! Der Wiedereintritt der Eltern in die Arbeitswelt bringt zusätzlichen Stress in die Familie. Plötzlich muss die Mama morgens wieder pünktlich aus dem Haus und ist genervt, wenn die Tochter sich nicht anziehen lässt. Auch gibt es nicht mehr so viel Erholungszeit zwischendurch, und die vielen alltäg- lichen Aufgaben wie Kochen, Waschen, Einkaufen, Steuererklärung fertig- machen oder Auto in die Werkstatt bringen müssen jetzt neben Kind und Arbeit bewältigt werden. All das, was wir vielleicht schon vorher nur mit Mühe geschafft haben, muss jetzt noch effizienter ablaufen. Wenn dann die Kinder nicht so richtig 'funktionieren', werden wir leicht ungeduldig oder wütend und oft geht plötzlich gar nichts mehr. Um den ersten Geburtstag herum kann dein Kind auch schon richtig viel: Es krabbelt, beginnt zu laufen und einige Worte zu sprechen. Und es möch- te diese Fähigkeiten auf seine ganz individuelle Art und Weise ausprobieren. 28 1 IN UNSEREM HERZEN WISSEN WIR, WAS RICHTIG IST Mit den wenigen Worten und seiner ausdrucksstarken Mimik und Gestik kann es sehr genau 'sagen', was es möchte und was nicht. Es kann sich selbst fortbewegen und entscheiden, in welche Richtung es sich bewegen möchte. Mit einem Jahr beginnen auch die Wutanfälle, weil eben nicht mehr alles so läuft, wie die Prinzessin oder der Prinz es sich wünschen. Für Kinder ist diese Zeit eine riesige Umstellung. Seit der Geburt wurden ihnen alle Wünsche von den Lippen abgelesen und jetzt müssen sie sich plötzlich nach den Eltern richten, weil beide wieder arbeiten gehen und es festgelegte Tagesstrukturen gibt. Das ist nicht fair! Kein Wunder, dass viele Kinder angesichts dieser Umstellungen ziemlich wütend werden. 1.2 WIE IST ES NUR SO WEIT GEKOMMEN? In dieser kritischen Umbruchszeit ertappen sich viele Eltern dabei, wie sie ihr Wunschkind stunden-, tage- oder wochenweise auf den Mond wünschen oder sich fragen, wann sie es endlich mal wieder für einen Nachmittag an die Großeltern abgeben können. Die Realität hat uns eingeholt. Deine Arbeit beginnt früh, dein Kind muss pünktlich in der Kita sein, doch ausgerechnet jetzt hat dein Traumkind einen Wutanfall, weil irgendetwas nicht so läuft, wie es sich das vorgestellt hat. In diesem Moment schreist du es vielleicht an oder hörst dich die schlimmen Worte deiner Mutter oder deines Vaters von damals sagen. Auch mit deinem Traumpartner gibt es vermehrt Streitigkeiten - wegen irgendwelcher Lappalien, die plötzlich keine Lappalien mehr sind. Zu wenig Schlaf, zu wenig Essen, zu wenige Pausen. Baby-Talk statt anspruchsvoller Unterhaltungen. Wann hattest du eigentlich das letzte Mal Zeit für dich? Zeit mit deinem Partner? Wann habt ihr das letzte Mal miteinander ge- schlafen? Mit deinen Freunden hast du dich auch seit Ewigkeiten nicht mehr 1.3 Hilfe, ich bin wie meine Eltern 29 getroffen! Es gibt einfach von ALLEM zu wenig. Und am allerwenigsten gibt es von der so dringend nötigen Gelassenheit. Nur: Wo gibt es die zu kaufen? 1.3 HILFE, ICH BIN WIE MEINE ELTERN Wie werden wir zu den Menschen, die wir heute sind? In den ersten Lebens- jahren werden wir 'programmiert': von unseren Eltern, unserer Umgebung und der Gesellschaft. Bis zu einem Alter von sechs bis sieben Jahren geht dabei fast alles, was wir hören oder sehen, mehr oder weniger ungefiltert ins Unterbewusstsein - so ein bisschen wie bei der bekannten Radiowerbung 'Geht ins Ohr, bleibt im Kopf'. Wir saugen also quasi mit der Muttermilch auch die Gewohnheiten und Sichtweisen unserer Eltern, unserer direkten Umgebung und der Gesell- schaft auf. Wir schauen uns von unseren Eltern deren Körperbewegung, Mimik, Gestik, Wortwahl, Sätze und Handlungsweisen ab und nehmen sie in unser Unterbewusstsein auf. Erst ab einem Alter von etwa sechs Jahren, je nach Entwicklung des Kindes auch schon früher, können wir mithilfe unseres Bewusstseins manche der Inhalte herausfiltern und in Form eines innerlich gesprochenen 'Nein, das stimmt nicht' ablehnen. Unser Unterbewusstsein kann dies jedoch nicht, vielmehr übernimmt es alle eintreffenden Inhalte unwidersprochen. So übernehmen wir unbewusst die Lebensweise unserer Eltern: Wir gewöhnen uns an die Na...
Eltern sein - für diese wohl wichtigste Aufgabe in unserem Leben werden wir in keiner Weise ausgebildet. Dieses Buch ist entstanden, damit du nicht erst dann, wenn deine Kinder schon längst nicht mehr zu Hause wohnen, heraus- findest, wie du sie am besten hättest begleiten können. Dr. med. Ulrike Gillert gibt dir einfache, praxis- bewährte Hinweise, wie du dein Kind selbst in Zeiten von Unsicherheit, Angst oder Überforderung mit einer klaren inneren Haltung liebevoll und bedürfnisorientiert durch den Tag leitest. Du erfährst, wie du Wutanfällen vorbeugst, wie Machtkämpfe erst gar nicht entstehen und wie du auch in schwierigen Situationen gelassen bleibst. Zusätzlich findest du Anregungen, wie du trotz eines herausfordernden All- tags besser für dich und deine Partnerschaft sorgen kannst. Damit ihr als Familie gemeinsam wachsen und für eine liebevolle Grundatmosphäre sorgen könnt. An alle Mütter und Väter dieser Welt: Dieses Buch ist für euch geschrieben! Damit ihr die Eltern sein könnt, die ihr in eurem Herzen schon lange seid: warmherzig, liebevoll und voller Vertrauen in eure Kinder! Für eine Eltern- KindBeziehung, von der Eltern und Kinder ihr Leben lang profitieren können.
Autorenporträt
Frau Dr. med. Ulrike Gillert ist seit 1991 als Kinderärztin in Berlin tätig und seit 2007 als Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche. Zusätzlich lernte sie u.a. von Jesper Juul, Marshall Rosenberg, Gerald Hüther und Thích Nhât Hnh. Sie ist Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern. In diesem Elternhandbuch gibt sie dir die Quintessenzen all ihrer Erfahrun- gen weiter und beantwortet die unzähligen Fragen, die Eltern ihr in der Praxis stellen. Praxisbewährte Grundhaltungen, Sprach- und Handlungs- muster sowie kleine Tipps zeigen dir, wie du mehr Lebensfreude in deine Familie bringst und deinen Kindern zu einem höheren Selbstwertgefühl verhilfst.
Herstellerkennzeichnung:
Dr. Gillert Akademie
Dr. med. Ulrike Gillert
Am Kiefernweg 2
16321 Bernau
DE
E-Mail: info@ulrikegillert.com
Internet: www.ulrikegillert.com




































































































