Beschreibung
Es klingelt. Tante Renate prescht durch den Flur. Coco denkt Zahnpasta, als Tante Renate die Tür aufreißt. Hier ist eure Nachbarin!, flötet eine Frau, deren Gesicht aus schneeweißen Zähnen besteht. Sie hält einen Korb in der Hand. Darin liegen Brot und Salz. Mein Name ist Rita. Alles Gute im neuen Heim! Tante Renate starrt in den Korb. Coco tippt ihrer Tante auf die Schulter. Sag mal, wie du heißt. Lecker!, jubelt Tante Renate und schnappt sich den Korb. Oh, das ist aber. Die Frau kichert. Coco sagt: Das war Tante. Renate!, ruft Mama. Die Frau streicht sich eine dünne Strähne hinters Ohr, als Mama durch den Flur zur Tür kommt. Entschuldigung!, sagt Mama. Sie streckt der Frau mit dem Zahnpastalächeln die Hand entgegen. Ich heiße Eva. Und ich bin Rita, sagt die Frau. Maik und ich wohnen nebenan. Und natürlich auch Maiks Papa. Den wollen wir ja nicht vergessen, oder?! Coco betrachtet Ritas rote Fingernägel und überlegt, ob die wohl echt sind. Wir können ja nochmal von vorne beginnen, schlägt Mama vor und nimmt Tante Renate den Korb ab. Also, ich bin Eva und das ist meine Schwester Renate, und ich sehe. oh. einen Korb mit Brot und Salz! Das ist aber nett! Rita macht einen Knicks. Brot und Salz, Gott erhalts!, sagt sie. Ich wünsche euch alles Gute im neuen Heim! Coco entscheidet, dass die Fingernägel aus Plastik sind. Und wie heißt du?, fragt Rita. Coco sagt: Coco, und legt den Kopf an Mamas Schulter. Wie alt bist du? Fast zwölf. Das ist schön. Maik ist acht. Ihr werdet euch verstehen. Coco fragt sich, woher Rita das weiß. Wie wärs mit einem Glas Zitronenwasser? Mama sieht Rita freundlich an. Ich will nicht stören, sagt Rita. Tante Renate ruft: Ja!, und knallt die Tür zu. Mama reißt die Tür wieder auf. Rita steht unverändert da. Ihr Lächeln ist ein bisschen verrutscht. Entschuldige, meine Schwester ist. Meine Schwester hats nicht so mit Höflichkeit. Mama schiebt Tante Renate in den Flur. Kein Problem, sagt Rita. Ich muss eh rüber. Maik wartet auf das Essen, obwohl er wie ein Vögelchen isst. Aber das wenige will er pünktlich haben. Hahaha. Ihr Lächeln bleibt verrutscht. Wir haben drei von der Sorte, verrät Mama. Und der eine hat Hunger für fünf. Tante Renate ruft: Ben! Das ist der Mittlere, sagt Mama. Und Luisa ist unsere Älteste. Ben, Luisa und Coco. Tolle Namen. Entzückend! Rita tippelt nach nebenan. Dabei sind ihre Mundwinkel herabgefallen.
Vor Coco liegt ein langer Sommer mit ihrer fröhlichen Patchwork-Familie im neuen Haus. Wäre da nicht das nervige Nachbarskind Maik, jünger als sie und in vielem so anders. Bereits die ersten Treffen der beiden sind holprig, und Coco merkt schnell: Maik lebt in einem ständigen Gefühlschaos, seine Stimmung kann schnell umschlagen - in eine Wut, wie sie Coco noch nie erlebt hat. Maiks Anker ist sein Aquarium. Seine getrennt lebenden Eltern bieten ihm wenig Rückhalt, auch das kennt Coco nicht. Zwischen Kindheit und Jugend, zwischen Familie und Nachbarschaft, zwischen Freundschaft und Ärger, zwischen Unverständnis und Mitgefühl, zwischen Loyalität und Freiheitsdrang - Coco findet in diesem Sommer trotzdem ihren Weg.
Autorenporträt
Armin Kaster las als Junge Weltliteratur, die er nicht verstand, und wünschte sich dennoch Schriftsteller zu werden. Nach exotischen Ausflügen in den Groß- und Außenhandel sowie die Wirtschaftswissenschaft, bog er ab zur Pädagogik und danach zur Kunst. Jetzt arbeitet er als freier Autor und Künstler und lebt mit seiner Familie in Düsseldorf. Seit Jahren führt er literarisch-künstlerische Projekte mit Kindern und Jugendlichen im In- und Ausland durch. Dabei begeistern ihn vor allem die originellen Lebenswelten junger Menschen, die er am liebsten in Geschichten verwandelt.
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