Psychoanalyse und Unterschicht

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Soziale Herkunft – ein Hindernis für die psychoanalytische Behandlung? Herausgegeben von Klaus Menne und Klaus Schröter, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 301

ISBN: 3518279017
ISBN 13: 9783518279014
Herausgeber: Klaus Schröter/Klaus Menne
Verlag: Suhrkamp Verlag GmbH
Umfang: 225 S.
Erscheinungsdatum: 02.10.1980
Gewicht: 204 g
Produktform: Kartoniert
Einband: Kartoniert
Artikelnummer: 9322632 Kategorie:

Beschreibung

Angehörige der sozialen Unterschicht sind in der Klientel der Psychoanalyse deutlich unterrepräsentiert. Dies wurde vielfach durch ein Krankheitsverständnis dieser sozialen Gruppe zu erklären versucht, das in erster Linie an körperlichen Beschwerden orientiert ist. Da ein organisches Krankheitsverständnis die notwendige Mitarbeit im therapeutischen Prozeß erschwert, konnte gefolgert werden, daß diese Patienten nicht psychoanalytisch behandelbar seien. Auch ihre psychische Struktur und ihr Sprachgebrauch erschienen als kaum überwindbare Hindernisse. Eine aus Psychoanalytikern und Soziologen bestehende Arbeitsgruppe am Frankfurter Sigmund-Freud-Institut hat psychoanalytische Erstinterviews und Behandlungen von Patienten aus der sozialen Unterschicht untersucht, um zu klären, welche spezifischen Probleme im therapeutischen Prozeß auftreten und ob diese eine Behandlung mit den Mitteln der psychoanalytischen Technik verhindern. Als wesentlich erwies sich das Verhältnis von innerpsychischer und gesellschaftlicher Realität. Arbeitsteilung und gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse treten hier als 'soziale Distanz' zwischen Patient und Arzt in Erscheinung. Dies kann dazu führen, daß die psychische Situation des Patienten durch äußere Gegebenheiten verdeckt wird: so etwa, weil der Patient seine Realität (die er eng mit den eigenen Phantasien verknüpft) als schwer durchschaubaren Widerstand gegen die Therapie benutzt, oder, weil der Analytiker diese für ihn ungewohnte soziale Realität nicht hinterfragt. Ein therapeutisch wirksames Gespräch setzt voraus, daß der Patient die Welt seines inneren Erlebens zum Ausdruck bringen kann, aber es setzt nicht voraus, daß dies in der Sprache der Mittelschicht geschieht. Gelingt es dem Analytiker, mit den besonderen Problemen, die sich in der Arbeit mit dieser Klientel ergeben, angemessen umzugehen, so unterscheiden sich die zutage tretenden psychischen Konflikte und die sich daraus ergebenden Konstellationen des psychoanalytischen Prozesses im allgemeinen nicht von denen anderer Patienten.

Autorenporträt

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