Beschreibung
1.Actualité / Aktuell / Currents Riccardo Sirello (Savona) La Journée Mondiale de la Philosophie 2017 à Rome en Italie Le Ministère dellIstruzione, dellUniversità e della Ricerca (MIUR) et le Centro di Ricerca sullIndagine Filosofica (CRIF) italiens ont célébré la Journée mondiale de la Philosophie le 16 novembre 2017 à la Salle de la Communication du MIUR de Viale Trastevere à Rome. Cela a été un moment important pour lItalie car le programme de divulgation de la pratique philosophique comme opportunité dapprentissage pour tous a été présenté, ainsi que la manière dont il sera mis en oeuvre. La Journée de la Philosophie a bénéficié non seulement dinterventions dexperts et de la participation de nombreuses universités et détablissements secondaires italiens mais aussi dune séquence télévisée diffusée en streaming par la Rai - Radio Televisione Italiana. MM. Marino Santi de lUniversité de Padoue, Maura Striano de lUniversité ' Federico II ' de Naples, Alessandro Volpone de lUniversité de Bari, Maughn Gregory de lAdvancement of Philosophy for Children et Vincenzo Vitiello de lUniversité Vita-Salute del San Raffaele de Milan, ont mis en clair comment la pensée créative et celle logique-argumentative sont indispensables pour construire une citoyenneté solide et responsable. Enfin, la Journée a mis en évidence le fait que la force de divulgation du langage philosophique est un véhicule éducatif précieux dans le cadre dune Ecole de la Liberté telle que la soulignée la recherche de lUnesco. Notre Association internationale des professeurs de philosophie a eu un rôle important dans la communication de lévénement car elle a maintenu les rapports avec le siège parisien de lUnesco qui, en le publiant sur la toile, a démontré y prêter attention Nous aurions lintention dentamer, à lavenir, une entière collaboration entre lAIPPh et le MIUR-CRIF en faisant remarquer au Ministère que le succès de linitiative romaine pourrait stimuler la constitution dun réseau avec tous les établissements scolaires italiens dabord et européens ensuite. Werner Busch (Kiel) 500 Jahre Thesenanschlag Martin Luthers - Fragen an die Philosophie Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine berühmten, damals provokanten 95 Thesen in Wittenberg anschlug, um darüber zu diskutieren, konnte er nicht wissen, dass er die Einheit des Denkens, die im Abendland in Form einer universellen Kirche gedacht wurde, grundsätzlich in Frage stellte. Luther war ein Sprachgenie, ein begnadeter Musiker, ein energiegeladener Glaubensmann, ein großer wissenschaftlicher Theologe, in Schulangelegenheiten ein realistischer Politikberater, aber er war wahrhaftig kein Philosoph, wenn man z.B. seine Beschimpfung des rationalen Aristoteles ernst nimmt. Und doch hat er die Philosophie extrem und intensiv herausgefordert. Die reale Lage in Deutschland, in dem die Landesherren im Verhältnis zum Kaiser stark waren, machte es möglich, dass Luthers Dissens mit der einheitlichen Kirche von Anfang an institutionell gelebt werden konnte. Da sich mittlerweile viele Einwohner mit Hilfe des neuen Mediums gedruckte Schrift seit dem 16. Jahrhundert selbst eine Meinung bildeten, waren Tür und Tor geöffnet, nach Luthers endgültigem Selbstständigkeitsbeschluss selbst neue Glaubensgemeinschaften zu gründen, sei es unter landesherrlicher Führung oder in ganz freier Gruppendynamik. D.h. nach Martin Luthers Dissenserfolg war die gewünschte, eingeforderte oder konstruierte Einheit des Denkens im Abendland für immer verloren. Es entstand nach und nach ein Kaleidoskop verschiedener sich untereinander stark abgrenzender Glaubensgemeinschaften und Sekten, deren Nennung die historische Phantasie gewaltig anregt: Lutheraner, Reformierte, Zwinglianer, Calvinisten, Unierte, Anglikaner, Pietisten, Puritaner, Mennoniten, Quäker, Independenten, Baptisten, Zeugen Jehovas, Sozzinianer, Unitarier, Methodisten, Mormonen und viele mehr. Schaut man auf diese Vielfalt, gewinnt man den Eindruck, dass die Sektenbildung wieder aufgelebt ist, die wir aus der Antike kennen, für uns überliefert in Leben und Meinungen berühmter Philosophen des Diogenes Laertius. Der Unterschied zur christlich geprägten europäischen Neuzeit ist allerdings der, dass die antiken philosophischen Schulen und Sekten mit Angeboten verschiedener Lebensformen und argumentativ miteinander konkurrierten, während in der europäischen Neuzeit ein persönlicher in der Natur und in den Menschen wirkender Gott den Gläubigen die Kraft verlieh, Recht zu haben und dies, verbunden mit welchen Interessen auch immer, oft genug mit Gewalt und Repression durchzusetzen. Wir Heutigen vergessen leicht, dass der angenommene religionsstiftende Gott auch bei uns in Europa mindestens bis ins 18. Jahrhundert als eine real leitende Macht weithin verinnerlicht war. Die Frage war nur, welche Form die herausgelesenen göttlichen Botschaften annahmen und wie sie mit oder ohne Waffen verteidigt wurden. Wie sollte man mit dieser neuen Vielfalt umgehen? Die Glaubenskriege, deren interessengeleitete Rechtfertigung die jeweilige Interpretation des angenommenen göttlichen Willens lieferte, waren mit Martin Luthers Dissens fast schon vorprogrammiert. So betrachtet, ist die Geschichte, an deren Anfang der Thesenanschlag Martin Luthers stand, alles andere als angenehm nachzuvollziehen. Aber es gibt auch eine andere Version dieser Geschichte, nämlich die der Herausforderungen, die die europäischen Philosophen aufgriffen. Thomas Hobbes begründete gegen die Vielfalt der selbsternannten Widerständler die absolute Staatsgewalt, John Locke antwortete mit der Theorie der Repräsentation in Parlamenten und mit der Rechtfertigung des Widerstandes gegen elementares Unrecht, Montesquieu analysierte und strukturierte die politischen Systeme neu und Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel füllten schließlich den Begriff des Rechtsstaates aus, einen Begriff, der als Erzeugnis der deutschen Philosophie nur mit Schwierigkeit in andere Sprachen zu übersetzen ist. Parallel zu dieser rechtsphilosophischen Gesprächssituation konstruierte René Descartes im Zuge des Fortschritts der Mathematik einen unpersönlichen Gott, der nur gedacht werden kann und den Baruch Spinoza schließlich einheitlich in das gesamte Universum einwebte. Ebenfalls parallel zu den staatsrechtlichen Diskussionen machte sich der Religionsflüchtling Pierre Bayle in guter skeptischer Tradition eine Freude daraus, in seinem weit verbreiteten Dictionnaire historique et critique alle möglichen Widersprüche in den menschlichen Urteilen seit der Antike aufzudecken, was konsequent gegen alle Rechthaberei zum Gedanken der universalen Toleranz führen musste. Es ist klar, dass diese wenigen genannten Diskussionsstränge nur eini- ge herausragende Spitzen inmitten eines dichten Geflechts von veröffentlichten Thesen in der europäischen philosophischen Öffentlichkeit zeigen. Faktum ist, dass breit und meisterhaft argumentiert wurde als eine der Antworten auf die neue Vielfalt, die Martin Luthers Dissens ausgelöst hatte. Man mag diese permanenten und intensiven Dialoge der europäischen Aufklärung nun nach Karl Marx durch die Entwicklung der Produktionsverhältnisse als notwendig erzeugt sehen oder nach Hegel als ein dialektisches Wirken des Weltgeistes: Dass auf hohem Niveau argumentiert wurde und diese Argumentationen in die Gestaltungen der europäischen Gesellschaften hineinwirkten, ist unbestreitbar: Man lese nur die Staatsverfassungen, die von dieser europäischen Tradition geprägt wurden. Man könnte sogar behaupten, dass auf philosophischer Ebene intellektueller Widerstand, wie Martin Luther ihn ursprünglich wollte, auf Umwegen erfolgreich in die Realität hineinwirkte. Nun ist und bleibt die von Martin Luther ausgehende Reformation mit ihren Folgen ein primär europäisches bzw. eurozentrisches Phänomen. Da Philosophie grundsätzlich interkulturell konz...
Vorwort Als unser ehemaliger Präsident Erich Moll vor über vier Jahren an uns herantrat und im Hinblick auf die österreichischen PhilosophielehrerInnen, die immer auch psychologisch gebildet sein müssen, das Thema Widerstand für eine Tagung in Südtirol vorschlug, die auch für deutsche und italienische Fachkollegen interessant sein sollte, wussten wir noch nicht, wie brisant und aktuell das Thema werden würde. Mit dem Arbeitstitel Sand im Getriebe ging es ihm um den positiven Wert widerständigen und kritischen Denkens, das in sich ruhende Persönlichkeiten braucht, die Wert- und Zielbewusstsein haben und sich nicht manipulieren lassen. Ursprünglich schwebte ihm eine Tagung vor, auf der hauptsächlich in Gruppen an didaktischen Konzepten gearbeitet werden würde. Umso trauriger ist es, dass wir in dieser Publikation nur drei Beiträge haben, die sich direkt mit der praktischen Umsetzung des Themas beschäftigen. Doch viele der Beiträge weisen in die oder berichten von einer Praxis: Die Vorgänge um den Maidan, unter den Regimes von Trump und Erdogan, obwohl man an die Kraft demokratischer Institutionen glauben konnte, der arabische Frühling, aber auch innereuropäisch anlässlich des Reformationsjubiläums, das mit Luthers Devise der Kritik an kirchlichen Autoritäten und der Aufforderung selber zu lesen und sich sein Urteil selber zu bilden, als Vorläufer aufklärerischen Denkens gesehen werden kann, wie unser ehemaliger Präsident Werner Busch ausführt. Die unglaublichen Vorgänge in der ehemaligen DDR, die - gewaltfrei - zum Fall der Mauer führten, der Protest nicht nur argentinischer Frauen gegen Feminizid und sexuelle Gewalt, aber auch das Erstarken des Rechtspopulismus und er entsprechenden Gegenbewegungen, die zu einer neuen Debattenkultur in der Politik geführt haben, all dies macht deutlich, wie wichtig eigenständiges Denken und Handeln geworden ist, auch wenn es Zivilcourage und die Neubelebung der antiken Tugend der Tapferkeit erfordert. Denn auch unsere modernen europäischen Gesellschaften entwickeln in Wirtschaft, digitalen Medien und in einer bürokratisierten Verwaltung viele System-zwänge, die nicht mehr die Menschen im Auge haben. Wir sind also dankbar, dass die Tagung im letzten Jahr durch die Hilfe unseres Mitglieds Prof. Ivo di Gennaro, dem Leiter der Akademie für deutsch-italienische Studien in Meran, ebendort stattfinden konnte und bedanken uns herzlich für das Engagement der Tagungsorganisatoren. Ihnen wünschen wir eine anregende Lektüre, aus der sie unschwer Ideen für mögliche Umsetzung in Praxis und u.a. auch für die Menschenrechtsthematik gewinnen können, wie wir hoffen.
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