Beschreibung
Mit dem Statement 'Musik gibt es überall' schloss Barbara Hall ihr Buch The Music Teacher (2009) ab, und Kurt Tucholsky spottete rückblickend (1930): 'Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche Revolution in der Musik statt.' In der Tat gibt es Musik nicht nur dort, wo die Welt in Ordnung ist. Musik ist kein Indikator des Glücks und des Wohlstandes. Musikalität prägt auch nicht nur vorbildliche Demokratien oder Arkadien quasi im Naturzustand, sondern auch militante Milieus, unter denen andere leiden. Viele Kriminelle können singen und Instrumente spielen. Auch führt mehr Musik nicht zu mehr Glück - sonst wäre Tortur durch Musik ja kaum denkbar. Das Musikgeschehen verursacht Abfall und verbraucht viel Energie - für die gigantischen Rechner etwa, die das virtuelle Musikleben (einschließlich Musikvideos) am Laufen halten. Wie man die Sache auch betrachtet, lässt sich das Musikleben nicht als ein Rahmen für harmlose Kunst und Unterhaltung darstellen. Sie generiert Wirkkräfte, deren Kontrolle die Musizierenden überfordert, da sich die spezifische Wirkung vielfach erst im kognitiv-emotionalen System der Rezipierenden bildet, ganz egal wie intensiv der Ausdruck der Ausführenden ist. Kein Wunder also, dass seit der Antike darüber debattiert wird, wie man Musik, Musizieren etc. garantiert nutzbringend gestalten könnte - und wer die Kriterien festlegen darf.
Über Macht der Musik wurde in den letzten Jahren viel nachgedacht und viel geschrieben. Dabei wirkt Musik nicht immer musikalisch. Tomi Mäkelä unterzieht populäre Aussagen darüber, wie Musik zur Erziehung, Bildung, Glück, Gesundheit (psychisch und physisch), Moral und mehr beitragen soll, einer kritischen Überprüfung und stellt Überlegungen darüber an, wie es zu teilweise überhöhten Ansichten über die Macht der Musik kommen konnte. Er nimmt auch negative Aspekte der Beschäftigung mit Musik in den Blick, sei es während der Ausbildung der Profimusikerinnen und -musiker und ihrer späteren Berufstätigkeit oder wenn Musik bei gewalttätigen Handlungen zum Einsatz kommt.
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