Beschreibung
Der Standort - Berlin 1985 dokumentiert eine Rauminstallation von Andreas Niederau-Kaiser, entstanden aus der persönlichen Erfahrung der deutschen Teilung. Die väterliche Verwandtschaft lebte in der DDR. Carepakete mit Kaffee, Grenzkontrollen, Behinderungen und Schikanen bei der Durchreise gehörten zur eigenen Erfahrung. Mit der Einladung zu einer Ausstellung in Westberlin entstand eine besondere Situation: Der eigene Standort befand sich nun innerhalb einer vom Gebiet der DDR umschlossenen Stadt. Aus dieser Erfahrung der Einkesselung entstand das Bedürfnis, die Mauer zu durchstoßen. Drei mit phosphoreszierender Leuchtfarbe beschichtete Masten durchdrangen eine massive Betondecke. Oberhalb nahmen sie Licht auf, speicherten es im Material und gaben es im darunterliegenden dunklen Keller wieder ab. Dort traf das Licht auf drei unterschiedliche Materialeigenschaften: reflektierend, durchlässig und absorbierend. Drei physikalische Antworten auf ein und dasselbe Licht. Die vertikale Durchdringung der Betondecke führte zu einer weiterführenden Frage. Was würde geschehen, wenn dieselbe Versuchsanordnung horizontal durch die Berliner Mauer geführt würde? Vier Jahre später, am 9. November 1989, wurde die Mauer geöffnet. Rückblickend lassen sich alle drei Reaktionen in der gesellschaftlichen Entwicklung wiederfinden. Reflexion in der Zurückweisung und Bewahrung alter Gegensätze, Durchlässigkeit in der Begegnung und im Austausch, Absorption in der Aufnahme, Veränderung und Verdrängung gesellschaftlicher Strukturen und Identitäten. Alle drei Möglichkeiten sind eingetreten. Die Installation war keine Vorhersage der Geschichte. Sie war eine konkrete künstlerische Handlung, entstanden aus einer persönlichen und politischen Situation. Der Standort bezeichnet damit nicht nur einen geografischen Ort, sondern die Haltung eines Menschen gegenüber den Bedingungen, denen er ausgesetzt ist. Die Mauer wurde durchbrochen. Die Frage nach der Durchlässigkeit blieb.
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