Beschreibung
Ausgangspunkt [für Spannungen mit der Regierung Eduard VIII.] war die Entscheidung Eduards, Wallis [Simpson] heiraten zu wollen, was Regierung (Baldwin) und Kirche (Erzbischof Lang) ablehnten, zumal sie Wallis als 'gefährliche Goldgräberin' betrachteten. [] Doch nachdem die ausländische Presse die Beziehung publik gemacht hatte, bekam Wallis Bedenken, sodass sie sich zuerst von Eduard distanzierte (Frankreichreisen), um ihm dann brieflich die Trennung mitzuteilen. Hierauf kam es zu einer entscheidenden Reaktion des Prinzen: Er erklärte ihr telefonisch und in Anwesenheit seines Sekretärs, sich bei einer Trennung 'sofort die Kehle durchzuschneiden'. Diese Drohung hatte zur Folge, dass Wallis aus Angst vor möglichen persönlichen Konsequenzen eines Prinzen-Selbstmordes davon absah, ihn zu verlassen (16. September). Daraufhin setzte sie die Beziehung fort, jedoch immer in Angst vor einem Selbstmord des Königs, für den sie in der Öffentlichkeit verantwortlich gemacht würde. Trotzdem unternahm sie nach Erhalt von Hassbriefen bzw. Morddrohungen einen erneuten Trennungsversuch - doch wieder zwang sie der König, die Beziehung fortzusetzen. Auch nach Beendigung des Scheidungsverfahrens (Oktober, rechtswirksam im April 1937) änderten Interventionen Baldwins nichts an den Heiratsplänen des Königs, der für die Ehe auch seine Bereitschaft zum Rücktritt erklärte. Daraufhin konstatierte der Premier, dass Eduard von Wallis geradezu 'besessen' ('besotted') wäre und seine Pläne Anlass für eine Verfassungs- bzw. Regierungskrise böten (16. November). [] Um Unruhen zu vermeiden, entschied sich Eduard zur Abdankung, zumal sich auch die Dominions der Haltung Baldwins angeschlossen hatten; so wurde ein entsprechendes Verfahren in Gang gesetzt. Doch wieder war es Wallis, die nach ihrer Flucht vor der Presse nach Südfrankreich entschied, dass sie die Heirat mit Eduard nicht wünschte und ihre Scheidungsklage zurückziehen wollte, 'um Schaden vom König abzuwenden'; eine entsprechende Presseerklärung wurde umgehend veröffentlicht (8./9. Dezember). Erneut war es Eduard, der auf der Fortsetzung der Beziehung beharrte und Simpson telefonisch mitteilte, der Abdankungsprozess wäre nicht mehr aufzuhalten. Zudem erklärte er, Wallis sei zwar frei in ihrem Handeln, doch werde er ihr im Falle einer Trennung überallhin folgen und sie nicht loslassen - wieder saß Simpson in einer Falle ohne Ausweg, wobei sie den König als 'damned fool' titulierte. Dennoch fügte sie sich in ihr Schicksal, während Eduard erst jetzt die Familie sowie seinen Bruder und Nachfolger Albert von dem Verfahren in Kenntnis setzte (9. Dezember). Zwar brach dieser angesichts seiner unvermeidlichen Thronfolge weinend zusammen, doch wurde das Verfahren zügig fortgesetzt und - nach Regelung der finanziellen Ausstattung Eduards - vom Parlament durch einen Abdication Act abgeschlossen. Nachdem der Monarch seine eigene Abdankung sanktioniert hatte, fand die Herrschaft Eduards VIII. als König nach 327 Tagen ein Ende (11. Dezember). Anschließend wurde Prinz Albert in einem Accession Council als neuer Monarch Georg VI. proklamiert.
Der Historiker Dieter Berg nimmt mit diesem Buch eine kritische Würdigung der Herrschaftsbeteiligung für alle 36 englischen bzw. britischen Königinnen wie auch Prinzgemahle bis zur Gegenwart vor und korrigiert dabei die Anschauung der (angeblich biblisch begründeten) Rolle der Frau bzw. der Königin als 'Untergebene' des Herrschers. Die Monarchinnen wussten die sich ihnen bietenden Handlungsspielräume gut zu nutzen, sodass es in der Herrschaftspraxis zu einer Beteiligung in unterschiedlichen Formen kam - von loyaler Zusammenarbeit bis zur Partizipation am Sturz des Ehegatten. Dem Leser drängt sich beim Blick auf die Geschichte der englischen Monarchie neben vielen anderen Verflechtungen vor allem eine Erkenntnis auf: Wir Menschen haben ein unerschütterliches Bedürfnis nach Selbstermächtigung. Die Blaublütigen sind das beste Beispiel dafür. Von Wilhelm I. und Mathilde von Flandern über Maria I. und Philipp II. bis Charles III. und Diana Spencer - spannende Zusammenhänge und Sichtweisen.
Herstellerkennzeichnung:
Verlagshaus Römerweg GmbH
Lothar Wekel
Römerweg 10
65187 Wiesbaden
DE
E-Mail: info@verlagshausroemerweg.de




































































































