Beschreibung
Walter Nixdorf konnte im Polizeiverhör nicht sagen, ob es viel Geld war, das seine Frau in der gestohlenen Tasche gehabt hatte, geschweige denn, wie viel genau. Sie hatte gar nicht viel besessen, aber was wusste er schon, er hatte das Gefuhl, plötzlich all dessen, was er je gewusst haben könnte, beraubt worden zu sein. Er wusste auch nicht, warum die Turen ihres gemeinsamen Bungalows abgeschlossen gewesen waren, sowohl vorn als auch hinten, und wo Edeltrauds vermisster Schlussel sein könnte. Wieso jemand ein Haus abschließt, aus dem er gerade eine Leiche verschwinden lassen will, woher bitte sollte er das wissen, er wusste es nicht. Sie fragten ihn das immer wieder, 'Warum, Genosse Nixdorf, schließt einer nach einem Mord die Ture ab, wenn es nicht das eigene Haus ist und man eben Angst vor Diebstählen hat, während man schnell seine Frau im Wald vergräbt oder im See versenkt oder was auch immer der Mörder vorgehabt hatte, hm, warum tut einer das?' Er hatte keine Ahnung von all diesen Dingen.
Oktober 1989, ein Dorf in Brandenburg. Eine Frau wird in einer Kleingartenanlage getötet, der Mörder kann entkommen. In den nächsten Monaten bringt er vier weitere Frauen und ein Baby um. Angst und Verdächtigungen erschuttern die Dorfgemeinschaft, während funfzig Kilometer weiter östlich die Mauer fällt. Die Polizei ist uberfordert, dezimiert durch Abwanderung nach Westen und aufgeflogene Stasimitarbeiter. Die Sensationspresse scheint im wiedervereinten Deutschland ausloten zu wollen, wie weit man mit dem Leben von Menschen gehen kann, bevor die Berichterstattung selbst zum Verbrechen wird. Im Dorf leben auch die beiden Freundinnen Hedi und Gabi. Während Hedis Verlobter sie zu Hause isoliert, nimmt Gabi die Sache selbst in die Hand: Sie bewirbt sich als Reporterin bei der Bild-Zeitung und erhält so Einblick in die Ermittlungen 'Keine besonderen Auffälligkeiten' ist ein packender Kriminalroman nach einem wahren Fall, mit dem Sophie Sumburane die Mechanismen des Genres True Crime hinterfragt. Parallel zum Erscheinen des Buches wird die dreiteilige Doku 'Rosa Riese' in der ARD-Serie 'Crime Time' zu sehen sein, die Sophie Sumburane bei ihren Recherchen und bei Interviews vor Ort begleitet hat (verfügbar in der ARD Mediathek).
Autorenporträt
Sophie Sumburane (*1987 in Potsdam) studierte Germanistik und Afrikanistik in Leipzig und promoviert über forensische Linguistik. Sie ist Autorin mehrerer Kriminalromane, schreibt für verschiedene Medien und engagiert sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Sie ist Teil des Netzwerks 'Herland - feministischer Realismus in der Kriminalliteratur' und war bis 2025 Mitglied im Board des PEN Berlin. Zuletzt erschien 2022 ihr Kriminalroman 'Tote Winkel'. 2025 las sie bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.
Herstellerkennzeichnung:
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