Beschreibung
so ist es nun aber Abend und ich kann mit keiner möglichen Todesart leben man trieb auf Klarnamen und Barken durch die Nacht im Innern einer Salzwasserlagune einige von uns die vom Ufer wiederkehrten waren mit Fliegen dermaßen bedeckt dass sich kein Teil von ihnen mehr erkennen ließ im Mondschein jede Einzelne ein benzinfarbener Schwarm sogleich bemächtigten sich die Insekten auch der an Bord Gebliebenen trugen sich so dick auf Gesicht und Körper auf dass man weder aus noch ein wusste zwei oder drei Tage hielt diese Plage an. und überall saßen Wasserwesen in den Felsen auf so kühle Weise zart und auf so zarte Weise fragil geil und all das auf so transluzent entspannte Art dass alles gut aussah und auch so wehrlos und entleert dass alle Erregung unerträglich ewig dauerte und immer nochmal eine Runde länger als man sowieso schon nicht mehr lustig schlucken ledrig seinen Namen bei sich zu behalten nicht mehr gut aussah für Wochen nichts vermochte
Um was für eine Art Buch handelt es sich? Es handelt sich um eine Plage. Um was für eine Art Plage handelt es sich? Es handelt sich um eine Schar von Seufzergruppen, gleich um mehrere auf einmal; miteinander verbündet, zusammengeballt, in der Ebene versprengt. Es sind dies zum einen Texte, die einem Prinzip mutierter Wiederholung folgen, zum anderen schemenhafte Erzählungen, die in raschen Push-Nachrichten Szenerien evozieren und wieder verschwinden lassen, derweil ein Ich / ein Wir / ein Man von sich und anderen berichtet. Form und Vorgehensweise sind mit Edvard Munchs Lebensfries entfernt verwandt, insbesondere was dessen fragmentierte Serialität und die verschwimmenden Figuren und Umgebungen betrifft; dieselben Motive zeigen sich als Transformer an unterschiedlichen Orten. Die Farbigkeit allerdings ist eine andere, auch geht es - zumindest streckenweise - fröhlicher zu und nicht alle Frauen sind Vampire, vielmehr stellen sich etwaige Vorannahmen, von welcher Art Ort aus, aus welchen Gefäßen und aus welchem Körper eine Stimme spricht und trinkt, als Lug und Trug heraus. Anstelle eines Plots gibt es also ein Tau, mithilfe dessen sich der Text an der Decke befestigen und als Mobile betrachten lässt. Charlotte Warsen
Autorenporträt
Charlotte Warsen (*1984 in Recklinghausen) wuchs in Haltern am See auf, studierte Malerei und Englisch in Düsseldorf, Köln und Joensuu, promoviert seit langer, langer Zeit in der Philosophie zur Politik des Malens und lebt in Berlin. Beiträge in Zeitschriften, unter anderem Edit, STILL, der Greif, zweikommasieben, randnummer, und Anthologien, unter anderem Spitzen (Suhrkamp 2018) und Aus Mangel an Beweisen (Wunderhorn 2018); ihr erster Gedichtband vom speerwurf zu pferde erschien 2014 bei Luxbooks. Zurzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Düsseldorfer Kunstakademie im Forschungsprojekt Kulturtechnik Malen, zusammen mit Meret Kupczyk und Ludger Schwarte gibt sie den gleichnamigen Sammelband heraus (Fink 2019, i. E.).
Herstellerkennzeichnung:
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DE
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