åben die erda

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Gedichte, Dt/dän, Reihe Lyrik 94

ISBN: 3948336326
ISBN 13: 9783948336325
Autor: Thastum, Liv
Verlag: kookbooks Daniela Seel
Umfang: 96 S.
Erscheinungsdatum: 26.02.2026
Format: 1.5 x 24.5 x 17.5
Gewicht: 287 g
Produktform: Gebunden/Hardback
Einband: Gebunden
Artikelnummer: 9000655 Kategorie:

Beschreibung

wir in wanderung. nordwärts. durchschreiten elf dialektlinien. sten, stenen, stienen, æ stien auf einem stein auf einem steenken. die äußere schicht des felsens bröckelt, wenn man nur lange genug hinschaut. unruhig trippeln wir auf dem sten. dumpf streifen unsere füße den fels. noch ist es nur eine oberflächliche berührung. murmelnd zum fels gerichtet. ich - in wimmerung. betaste die jammerrunen im stein. kann sie lesen. kann sie syngen. wir mit unseren einschreibungen. der kalkfels - nenn ihn bulbjerg. und ich - nenn mich wie du willst. jede linie diese og denher und diese og denher - jede linje im fels ist zeuge mehrerer generationen. eine schicht deutsch. eine schicht dänisch. und ich mit meinen språchen. immer murmelnd in bewegung. der wimmernde übergang zwischen zwei schichtungen. () dann sieht man umrissen gestalten die graben, die gruben die brechen, die brachen heraus aus gravhoj, aus beulung, aus schwellung, aus grab es sind die verbannten, die man vertrieben die ungeliebten die ungekämmt blieben sie laufen entlaufen entlang der begrenzung ein wachtrup? ein nachttrup? in bajstrup in humptrup und kruså hat wer sie gesehen ein bauer aus ubjerg ein anwalt aus ellhöft die signe aus frøslev könnte erzählen: hier warn sie einmal var de auch hier man nennt sie und nynnt sie in vielzahl von namen die man hier und jenseits der grenze vergibt sag vitte sprich vatte hvad litte blir glatte von ditte zu datte nenn sie spaltensprecher, regelbrecher dreckverbreiter, totenreiter langefnger, hungerbringer balgverwechsler, unglücksdrechsler menschenschinder, satanskinder farfarsünder, ketzergründer mor der inde, mörderinne () es sind die verwiesenen die nats aus der erda op steigen og schrejten og schrejten entlang den grænzen die sie vertreiben

Es knackt am Grund der Krusten. Da murmelt was, summt was, da singt doch wer. Was ist dieses Å-Geräusch? Aa, oo, oh, öh? Es rumort an den Wortwurzeln. Da spricht doch jemand mit knåppeln am Mund. Die ist halb, halb. Die hat sich verdänt. Liv Thastums Debüt "åben die erda" gräbt Wege zu Orten, die von gewaltsamen Eingriffen in Landschaft und Sprache gezeichnet sind. Orte, die mehr als eine Sprache kennen. Drei Langgedichte schieben sich über die Landkarte. Es beginnt mit einem Riss. An der Jammerbugt im Nordwesten Dänemarks hat sich Geschichte in die Kalkfelsen eingeschrieben, die nun vorsichtig herausgebrochen wird. Dann kann der Abstieg beginnen, hinein in die Sagenwelt der Unterirdischen, in eine tiefere, mythische Vergangenheit an der deutsch-dänischen Grænze. Wer den Unterjordisken hinunter folgt, landet im Zukunfts- und Ursprungsort der Språche selbst: dem Krustengrund. Dort, wo die Zerwachsenen das Sagen haben, wo es gyngt und nynnt, wo man sich aufschürft an den anderen, an sich selbst, wo man hineinwächst in eine Welt, die nicht zu begreifen ist, hineinwächst in eine erda, in der man beginnt, gegen das Nichtverstehen anzusyngen.

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Schlieperstr. 59
13507 Berlin
DE

E-Mail: daniela.seel@kookbooks.de

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