Gossenwalzer

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Roman – Der Sommer, in dem Tilda das Familiengeheimnis aufdeckt, ein Feuer legt und ihre erste Liebe verrät.

ISBN: 3737412499
ISBN 13: 9783737412490
Autor: Badey, Ada
Verlag: S. Marix Verlag GmbH
Umfang: 192 S.
Erscheinungsdatum: 20.02.2025
Auflage: 1/2025
Format: 2 x 20.5 x 13
Gewicht: 307 g
Produktform: Gebunden/Hardback
Einband: Gebunden
Artikelnummer: 5062049 Kategorie:

Beschreibung

In jenem Sommer gingen wir, Onkel Sigi und ich, Sonntag für Sonntag zu den Brockmanns, um Tom Sawyer und Huckleberry Finn im Zweiten Deutschen Fernsehen zu schauen. Die Brockmanns hatten einen Fernseher. Wir nicht. Die Woche über erzählte ich meiner Mutter, was wir da machten, wie es da war, erzählte ihr von unseren Fernsehsonntagen. Ich erzählte ihr von Huckleberry Finn. 'Huckleberry Finn! Herrgott! Das ist nicht gesund, Tilda, du hängst dich an jemanden, der gar nicht da ist, den es gar nicht gibt, gar nicht gesund ist das, glaub mir, ich weiß, wovon ich rede, Tilda', und es fiel ein bisschen von der Asche der Zigarette in das Essen. Sie rührte weiter und schaute fasziniert in den Kochtopf. 'Das vertanzt sich, Tilda!' Das mit dem Vertanzen war einer der Lieblingsbegriffe meiner Mutter, sie sagte es oft. Sie sagte es laut, wie sie immer alles laut sagte. Jedenfalls, als sie noch da war und in unserer Küche stand, im Topf rührte und an ihrer Ernte 23 zog. 'Geht dahin, das ist gut. Geht, geht zu den Brockmanns. Beide. Tilda, Sonntag ist ein Tag, den man knicken kann, Sonntag ist leicht mal ein Tag, den man wie eine Schubkarre vor sich herschieben muss, Sonntag ist der Tag des falschen Friedens, ein Tag, der gerne Schaden anrichtet. Ich akzeptiere das nicht', rief meine Mutter am Herd stehend, ihre schwarzsilbernen Haare schweißverklebt, in Unterrock und Kittelschürze. Sie sah umwerfend aus, mit einem Bein in der kochenden Suppe und den paffenden Kringeln in der Luft. 'Sonntags gibt es keine Bratkartoffeln. Sonntag ist der Tag, den man nicht allein lassen darf. Sonntag ist der Tag meiner inneren Ruhe, Tilda.' Sie schaute mich an, und ihre Lautstärke steigerte sich, wie immer, wenn sie über den Sonntag sprach, wie immer, wenn ihr irgendetwas unter den Nägeln brannte: 'Übrigens, Endstation hat keinen schönen Klang. Da verwechselst du etwas. Sehnsucht vielleicht, aber Endstation ist das Letzte. Das Allerletzte. Merk dir das!' Meine Lippe begann zu zucken. Sie las also meine Notizbücher, und Sonntag ist unterm Strich erst mal der Tag, an dem es keine Bratkartoffeln gab. So viel hatte ich verstanden. Meine Ohren stellten sich taub und schlossen sich wie Nachtkerzen, denen das Licht zu grell wird. Was genau meine Mutter aber mit Gestaltung und innerer Ruhe meinte, erfuhr ich erst später, als der Sommer fast vorbei war. Ich ahnte aber damals schon, dass innere Ruhe für jeden etwas anderes war. Vor allem sonntags. Ein Fahrrad, ein Hasenstall, Huckleberry Finn, Gudruns Brille und noch einiges mehr, das ist die Geschichte dieses Sommers.

Wann ist Fantasie nur Lüge - und was passiert, wenn daraus Wirklichkeit wird? Die dreizehnjährige Tilda schafft sich zu Hause, im engen Kosmos einer Arbeitersiedlung, ihren eigenen Lebensraum. Seit Tildas Mutter beschlossen hat, das kleine Haus nicht mehr zu verlassen, ist es an Tilda, ihr Bericht zu erstatten. Dabei ist die Mutter nie um ein scharfzüngiges Urteil und eine Merksatz-Lebensweisheit verlegen. Allmählich wird klar, dass alle im Dorf - Schrauben-Sigi, Lügen-Hilde und der Büchermann - in ein altes Geheimnis eingeweiht zu sein scheinen, über das niemand sprechen will. Die junge Tilda, die 'Randnixe', fügt sich in dieses allgemeine Schweigen nicht: Sie bahnt sich mit ihrem Fantasiefreund Huckleberry Finn einen eigenen Weg, schreibt Notizbücher voll und zieht ihre Schlüsse. Aber als ein junger Intellektueller in der Siedlung auftaucht, geschieht ein Mord und man beschuldigt Tildas Onkel Sigi. Um ihn zu entlasten, trifft Tilda eine folgenschwere Entscheidung. Gossenwalzer erzählt davon, wieviel Kraft, Irrwege und Liebe es braucht, um genau hinzusehen, nicht locker zu lassen und den Mut zur eigenen Stimme zu finden.

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