Als ich an Don Renzo schrieb

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Roman

ISBN: 3218015014
ISBN 13: 9783218015011
Autor: Pfeifer, Günther
Verlag: Kremayr & Scheriau GmbH & Co. KG Verlag
Umfang: 192 S.
Erscheinungsdatum: 01.04.2026
Auflage: 1/2026
Format: 2.1 x 20.6 x 12.8
Gewicht: 276 g
Produktform: Gebunden/Hardback
Einband: Gebunden
Artikelnummer: 7951843 Kategorie:

Beschreibung

Jeder vernünftige Mensch weiß, dass Italien das schönste Land der Welt ist. Ich für meinen Teil erfuhr es sogar aus den zuverlässigsten Quellen, die man sich vorstellen kann - von meinen Tanten Hilde und Rosi. Die eine schilderte sachlich, auf Nachfrage auch ausführlich, die andere euphorisch - keine Frage wo mein Kopfkino einhakte. Ich hatte also bald ein fixfertiges Bild des Landes vor mir. Es gab ein Meer und alle Menschen waren den ganzen Tag lustig. Die meisten sangen, oft auch während sie in ihren Fischerbooten herumfuhren, oder in einer Gondel, oder in einem knallbunten dreirädrigen Gefährt, in dem sich riesige Mengen Eis befanden. Wenn sie nichts sagten, lachten die Italiener. Wenn sie nicht sangen oder lachten, redeten sie in einer Sprache, die manchmal klang, als würde man eine Schallplatte schneller abspielen, zum Beispiel in dem man mit dem Finger nachhalf (was streng verboten war). Außerdem hörte praktisch jedes Wort mit o auf. Das hörte sich spaßig an und lud geradezu zur Nachahmung ein. Schon bald also konnte ich Italienisch. Icho mago eino Butterbroto! Wie heißt das? Bitto! Italien hatte außerdem eine Stadt, in der das Wasser in den Straßen bis zu den Fenstern stand. Es gab keine Autos, man musste mit dem Boot fahren! Was die Fußgänger machten, wusste ich nicht so genau - vermutlich schwammen sie in die Arbeit oder zum Einkaufen. Eine weitere Besonderheit an diesem Land war, dass dort keine langweiligen Äpfel oder Birnen auf den Bäumen wuchsen, wie in unserem Garten, sondern Orangen und Zitronen. Soll heißen, wenn man nach dem vielen Lachen, Singen und Bootfahren Durst hatte, spazierte man einfach zu einem Orangenbaum, pflückte sich eine, presste sie aus und labte sich an ihrem Saft. Das kam dem Schlaraffenland schon sehr nahe. Aber das gelobte Land hatte noch mehr zu bieten: Maler, deren Bilder mir Rosi zeigte und dazu die Geschichte der Motive erzählte. Das waren ganz andere Maler als die heimischen. Mein Großvater zum Beispiel war sogar ein Malermeister - aber Bilder wie diese hatte ich noch keines von ihm gesehen. Und die Namen erst! Mein Großvater hieß Josef Pfeifer, seine Mitmaler hießen Ritschka Karl, Danich, Mühl, Sklenar Helmerl und Gubiani (letzterer klang wenigstens italienisch, deshalb mochte ich ihn auch am liebsten). Die Maler in Italien hießen Raffael, Leonardo und Michelangelo. Bei solchen Namen ist es kein Wunder, wenn einem die buntesten Bilder einfallen. Italienische Namen übten überhaupt eine magische Anziehungskraft auf mich aus, es gab zum Beispiel ein Auto, das hieß Ferrari und war leuchtend rot, es gab einen Motorradweltmeister, der hieß Giacomo Agostini, wobei man den Vornamen äußerst fetzig aussprechen konnte: Tschakkkkomo. Zumindest hatte ich mir das von meinem Onkel Josef abgehört. Ob Fußballer, Sänger oder Nudeln - alle hatten sie dort irgendwie schönere Namen. Es musste also jedermann klar sein, dass es für einen geborenen Ästheten wie mich nur ein Land geben konnte, in dem sich das Leben lohnte: Italien.

Für einen aufgeweckten Fünfjährigen und seinen Fantasiefreund kann sogar eine österreichische Kleinstadt in den Siebzigerjahren spannend sein. Noch spannender jedoch ist Italien, ein Land, in dem alle Menschen singen, Eis verkaufen und in Gondeln fahren. Ein tolles Land, da muss er hin! Äußert man als Fünfjähriger jedoch Reisewünsche, stößt man leicht auf taube Ohren. Die Großmutter, allmächtige Matriarchin, verweigert schlicht den Ausreiseantrag. Und dann sind da noch ganz andere Hindernisse, wie die Angst vorm Rawuzer, die nervenkrankte Mutter und eine Abneigung gegen Wasser, was das Schwimmenlernen nicht unbedingt vereinfacht. Schwimmen allerdings ist Pflicht in einem Land am Meer und einer Stadt, in der alle Straßen unter Wasser sind. Der kleine Rabauke fühlt sich hilflos, sein Fantasiefreund ist ratlos und die Lage aussichtslos. Als letzter Ausweg bleibt eigentlich nur noch ein Brief an Don Renzo, der im gelobten Land residiert und schon einmal ein kleines Familienwunder zuwege gebracht hat.Ein Roman wie die liebevolle Umarmung der Oma, nachdem man sich das Knie aufgeschlagen hat.

Autorenporträt

Günther Pfeifer, geboren 1967 in Hollabrunn, einer niederösterreichischen Kleinstadt, erlernte ein Handwerk und war jahrelang Berufssoldat. Später in der Privatwirtschaft im Ein- und Verkauf tätig, entdeckte er seine Liebe zum Theater. Er veröffentlichte Beiträge in Programmzeitungen und Magazinen, schrieb Theaterstücke, Kindermusicals, Reiseführer und Kriminalromane. Günther Pfeifer lebt in einem kleinen Dorf im Weinviertel.

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Rotenturmstraße 27/5
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