Beschreibung
Die Auffahrt dauerte etwas uber 20 Minuten, und so lautete die einhellige Meinung: Wieso sollte man mit dem Après-Ski bis nach dem Skifahren warten? Zwei vermutlich nicht mit meiner Reisegruppe Verwandte packten ihre Bluetooth-Box aus, platzierten sie mittig auf dem Gondelboden und spielten ruhrselige Italohits aus den Neunzigern ab. Das Publikum war umgehend ergriffen. Mit verträumten und wässrigen Blicken auf den Cervino, das Matterhorn, stimmte die ganze Gondel gefuhlig mit ein: Laura non cè. Die an jedem Stutzpfeiler angebrachten Warnschilder, man solle nicht mit der Gondel schaukeln, waren offenbar eher so zu verstehen wie hierzulande auch rote Ampeln im Straßenverkehr: eher als Empfehlung, nicht unbedingt als Verbot. Die Italodisco war in vollem Gange, es wurde gesungen und getanzt, die Gondel wippte meterhoch auf und ab, irgendwer packte Käse und Oliven aus, Männer und Frauen weinten vor Freude uber den Moment. Auch mir schossen die Tränen in die Augen, aus Fremdscham daruber, wie im selben Moment in einem anderen Teil der Welt, nämlich in einer Gondel in einem österreichischen Skigebiet, Landsleute von mir 'Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt' singen. Die Fliege war nicht dumm, die machte summ-summ-summ. Aus: 'Italienerwochenende'
La dolce vita, aber streng nach Zeitplan! So geht Urlaub für Deutsche. Christian Ritter, umtriebiger Humorist aus Berlin, hat seine Landsleute rund um die Welt beim Urlauben beobachtet und festgestellt: Sie könnens einfach nicht. Wenn kurz nach Mitternacht der Wecker klingelt, weil die besten Plätze am Pool belegt werden wollen, wenn die Urlaubsbräune generalstabsmäßig erarbeitet wird und wenn der karibische Katamaranausflug zu Helene Fischer schunkelt, heißt es: Die Deutschen sind da! Zum Clash der Kulturen kommt es unweigerlich, sobald Improvisation, Fremdsprachen-kenntnisse oder schlicht: Lässigkeit, gefordert sind. Dann hilft nur noch Humor seitens des Betrachters. Mit satirischer Pointiertheit und viel Selbstironie erzählt Christian Ritter seine hochkomischen Urlaubsgeschichten aus aller Welt. Als Teil eines deutsch-italienischen Haushalts macht er sich nur allzu gern selbst zur Zielscheibe des Spotts. Denn wer nicht selbst ein wenig zu deutsch ist, werfe die erste Kartoffel!
Autorenporträt
Christian Ritter (Jahrgang 1983) lebt als freischaffender Autor in Berlin und ist außerdem viel unterwegs, als ständiger Vorleser seiner eigenen Geschichten im deutschsprachigen Raum, gelegentlich auch einfach privat auf der ganzen Welt. Er veranstaltet und moderiert Poetry Slams sowie andere Literaturveranstaltungen und ist Teil der Berliner Lesebu¨hne »Zentralkomitee Deluxe«. Ritter war bayerischer Meister und deutschsprachiger Vizemeister im Poetry Slam, hat zwei Romane (zuletzt »Die sanfte Entfu¨hrung des Potsdamer Strumpfträgers« im Heyne-Verlag) und mit diesem Buch nun sieben Kurzgeschichtensammlungen veröffentlicht und bestu¨ckt außerdem seinen Podcast »Rittergeschichten« regelmäßig mit neuen Texten.
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